Aus den Musikschulen

Die Gerhard-Most-Musikschule Alfeld e.V. feiert ihr 40-jähriges Bestehen

Kammerorchester der Gerhard-Most-Musikschule Alfeld e.V. unter der Leitung von Volker Dehn / Foto: Heiko Stumpe

Gerhard-Most-Musikschule Alfeld e.V.

„Das ist ja schon Tradition: Das große Tor der Musikschule hat sich geöffnet“. Mit diesen Worten begrüßte Thomas Fiedler als Erster Vorsitzender des Trägervereins die geladenen Gäste zum Festakt des 40-jährigen Jubiläums der Gerhard-Most-Musikschule Alfeld e.V. (GMMS). Zuvor hatte das Kammerorchester der Musikschule unter Leitung von Volker Dehn die Veranstaltung mit „Das große Tor von Kiew“ von Modest Mussorgski musikalisch eröffnet. In seiner Rede ging Fiedler auf die recht wechselvolle Geschichte der Musikschule ein:

Nachdem bereits seit 1972 der Gedanke an eine musisch-kulturelle Institution in Alfeld keimte, gründeten Oberstudienrat Gerhard Most und der Direktor des Gymnasiums Alfeld, Dr. Horst Bernd, zusammen mit weiteren engagierten Bürgerinnen und Bürgern am 1. März 1977 die Gerhard Most Musikschule Alfeld.

Ziel des Gründervaters Gerhard Most war es, eine Musikschule mit den Qualitätsstandards, Kriterien und Richtlinien des Verbands deutscher Musikschulen zu etablieren, um eine öffentliche musisch-kulturelle Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu gewährleisten. Schon kurz nach ihrer Gründung hatte die Musikschule 100 Schülerinnen und Schüler. Bereits Ende der 1990er-Jahre war die Zahl auf stolze 700 Schülerinnen und Schüler angewachsen. Nicht nur ein breit angelegter Fächerkanon entwickelte sich im Lauf der Zeit, sondern auch viele Ensembles, darunter das Kammerorchester, das Alfelder Vokalensemble und mehrere Bläserensembles. Musische Gruppierungen wie das „Starlight Swing Orchestra“ oder der Gospelchor, die heute selbständig musikalisch tätig und eine Bereicherung für das Musikleben der Region Leinebergland sind, wurzeln in ihrem Ursprung in der Musikschule.

Allerdings gab es auch Rückschläge. Dass dieses Jubiläum gefeiert werden könne, so erklärte denn auch Fiedler in seiner Rede zum Festakt, sei mit Blick auf die Vergangenheit keine Selbstverständlichkeit. Durch überraschende Zuschusskürzungen des Landkreises Hildesheim stürzte die Musikschule 1999 in die Insolvenz, konnte aber auf Grund struktureller Änderungen und schmerzhafter Kürzungen in vielen Bereichen weiter als VdM-Musikschule bestehen bleiben. Viel Lob gab es von Fiedler für das gesamte Musikschulteam, das durch seine hochqualifizierte Arbeit und mehrfachen Verzicht auf Gehaltserhöhungen einen sehr großen Teil zum Überleben der Institution, vor allem jedoch zur positiven Wahrnehmung in der allgemeinen Öffentlichkeit, beigetragen habe.

Heute hat die Musikschule durch Kooperationen mit Kindertageseinrichtungen und allgemeinbildenden Schulen wieder stattliche Schülerzahlen vorzuweisen. Sie ist mit vielen kommunalen Institutionen vernetzt und stark mit deren Arbeitsfeldern verflochten. Bezuschusst wird die Musikschularbeit durch die Stadt Alfeld und das Land Niedersachsen. Der Landkreis Hildesheim unterstützt mit Sachleistungen. Des Weiteren geben der Landkreis Holzminden und andere Gemeinden Zuwendungen, die in den letzten Jahren jedoch zurückgegangen sind. Daher ist die Musikschule auf die Unterstützung durch private Förderer angewiesen.

„Das Ziel ist, Voraussetzungen für sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse zu schaffen“, so Thomas Fiedler. Er appellierte an die öffentliche Hand, die unverzichtbare Arbeit von VdM-Musikschulen für die kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe weiterhin wahrzunehmen und zu unterstützen. So verlangen die Herausforderungen der jüngsten Zeit, insbesondere das Thema Integration noch mehr in die Musikschule zu holen.

Hauptredner der Jubiläumsveranstaltung war Prof. Dr. Thomas Grosse, der in den 1990er Jahren die GMMS geleitet hat und heute Rektor der Hochschule für Musik Detmold ist. Sein Festvortrag trug den Titel „Vom Nähkästchen zur Kulturpolitik: Politisches Handeln und bürgerschaftliches Engagement für musikalische Bildung“. Für Grosse beschreibt Hans Günter Bastians Aussage „Musik ist die sozialste aller Künste“ das Wesen der Musik. „Musik ist die Kunstform, die am stärksten und intensivsten Begegnung ermöglicht“.

Simon van Zoest
Schulleiter der Musikschule Alfeld