Arbeitsschwerpunkte 2018

Politische Arbeit

Der neue Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler (CDU), überzeugte beim ersten Antrittsbesuch des Landes-verbandes als begeisterter und kenntnisreicher Unterstützer der Musikschulen, der aufgrund seiner persönlichen Situation auch die Elternperspektive einnehmen kann. Minister Thümler unter-strich in diesem ersten Austausch mit der Verbandsspitze die Bedeutung der Musikschulen im Gesamtkonzept kultureller Bildung des Landes Niedersachsen und sicherte dem Landesverband umfassende Unterstützung und eine Intensivierung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zu.

Im Nachgang dieses Gesprächs erstellte der Landesverband ein Konzeptpapier zur Entwicklung des niedersächsischen Musikalisierungsprogramms „Wir machen die Musik!“, in dem er nicht nur eine quantitative Ausweitung des Programms, sondern vor dem Hintergrund des spürbaren Mangels an musikpädagogischen Fachkräften in Schulen und Musikschulen eine in das Programm eingebettete Förderung interessierter und musikalisch begabter Kinder empfiehlt. Der Bedarf an qualifizierten Musiklehrern wird sich in den kommenden Jahren stark erhöhen. Nach Auffassung des Landesverbandes niedersächsischer Musikschulen sind deshalb besondere Anstrengungen im Bereich der gezielten Findung und Förderung musikalisch begabter Kinder erforderlich, um dieser Entwicklung wirksam begegnen zu können. Wichtig ist es, möglichst viele Kinder, die musikalisches Potenzial und Interesse erkennen lassen, unter Einbeziehung ihrer Eltern und von schulischen Bildungspartnern möglichst frühzeitig in weitere Fördermaßnahmen einzubinden. Der Landesverband verspricht sich aus dem Zusammenspiel von Musikalisierungsprojekten, weiterführenden Angeboten der Musikschulen und ergänzenden Maßnahmen von Bildungspartnern zahlreiche Synergieeffekte.

 

 

Diese Überlegungen sowie die in seiner Wolfenbütteler Erklärung erhobenen Forderungen an die Politik stellte der Landesverband den kulturpolitischen Sprecher*innen der Landtagsfraktionen von SPD, CDU, FDP und B90/Die Grünen sowie weiteren Abgeord-neten vor. Diese zeigten sich ausnahmslos interessiert und aufgeschlossen gegenüber den Vorschlägen.

Als vordringlichstes politisches Ziel des Landesverbandes erwies sich jedoch zunächst die Sicherung der bestehenden Haushaltsmittel für das Programm „Wir machen die Musik!“, nachdem der erste Haushaltsplanentwurf der Landesregierung für das Jahr 2019 eine faktische Kürzung der Fördermittel vorsah. Dank eines abgestimmten Vorgehens von Verbandsführung im Verbund mit den örtlichen Musikschulen gelang es, die Landtagsabgeordneten in vielen Einzelgesprächen von der herausragenden Bedeutung des Programms für die musikalische Bildung in ihren jeweiligen Wahlkreisen zu überzeugen. In der Folge stellte die Landesregierung über die sogenannte Politische Liste für das Jahr 500.000 Euro zur Verfügung, um so eine flächendeckende Ausweitung der Kooperationsprojekte zu ermöglichen.

Der Landesverband wertet diesen politischen Erfolg als Zeichen, seine landespolitischen Anstrengungen zu intensivieren. Wichtig ist nun, einen dynamisierten Mittelaufwuchs für das Programm in der mittelfristigen Finanzplanung des Landes zu verankern. Nur so können jedes Jahr weitere interessierte Programmpartner integriert werden und eine sinnvolle Erweiterung des Programms durch eine frühzeitig ansetzende gezielte Begabungsförderung erfolgen. Unterstützung findet diese Strategie nicht zuletzt auch bei den Kommunen, die seit Jahren eine gerechtere Verteilung der Lasten bei der musikalischen Bildung fordern.

Berichte aus den Arbeitsgrupppen des Vorstands

Individual- und Begabungsförderung

Ausgangspunkt und Aufgabe ist es, ausgehend von dem Programm für musikalisch interessierte und besonders begabte Kinder (VIFF-regional) in Kooperation mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover sowie der Studienvorbereitenden Ausbildung (SVA) eine in Niedersachsen flächendeckend aufgestellte musikalische Förderstruktur für diese Ziel-gruppe zu entwickeln. Zum einen sollen vor allem Begabungen früher erkannt, gefördert und mit einem zielgerichteten musikalischen Ausbildungs-angebot unterstützt werden. Besonders macht aber zum anderen die Ausbildung des Berufsnachwuchses Sorge, um für Musikschule und Schule zukünftig ausreichender Fachlehrkräfte gewinnen zu können.

Erste Ergebnisse der Arbeitsgruppe werden auf der Mitgliederversammlung und Jahrestagung des Landesverbandes in Osnabrück 2019 präsentiert und mittels einer impulsgebenden Podiumsgesprächsrunde zur Diskussion sowie für Arbeitsgruppen anlässlich der Jahrestagung vorgestellt. Wesentliche Eckpunkte zur Orientierung und als Rahmenvorschlag könnten bzw. werden sein:

  • Bildung von vier Altersstufen mit einem jeweils vorgeschlagenen Fächerkanon durch Skalierbarkeit und eines Punktesystems aufgrund der Möglichkeiten und Ressourcen einer Musikschule sowie ihres individuellen Portfolios
  • Regelmäßiger Unterricht im Hauptfach (auch extern) und sukzessive Erweiterung von weiteren Ergänzungsfächern
  • Scoutingsystem
  • Bezugnahme auf bzw. Verzahnung mit Musikalisierungsangeboten
  • Eingangstests, Zwischentests
  • Vergleichssystematik der Niveaus zwischen Musikschulen
  • Einbindung der Musikschulregionen mit der Aufgabenstellung, in einer Region Formate für Wochenendkurse zu entwickeln, die z.B. zweimal pro Jahr stattfinden sollen. Auf diese Weise können sich wünschenswerte Peergroups bilden.
  • Profilierung der Studienvorbereitenden Ausbildung
  • Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und dem Institut für Musik an der Hochschule Osnabrück

Daniel Keding

Diversität und Inklusion

Der zweite der insgesamt fünf Hauptbausteine der Wolfenbütteler Resolution widmet sich dem Thema „Herausforderungen von Diversität und Inklusion“ und bildete in 2018 ebenfalls einen Schwerpunkt in der Arbeit des Landesverbandes. In der Mitgliederversammlung 2018 bekam das Thema ein besonderes Gewicht durch den Vortrag zum Thema „Diversität in unserer Gesellschaft“ von Gerda Maiwald mit anschließender Diskussion und Worldcafé-Arbeit. Insbesondere mit dem Ausbau des Musika-lisierungsprogramms „Wir machen die Musik!“ sollen das Recht auf Teilhabe in der kulturellen Bildungsarbeit von Musikschulen umgesetzt und verstärkt soziale Brennpunkte erreicht werden.

Eine Umfrage des Landesverbandes zur Musikschularbeit ergab, dass mit den Musikalisierungsangeboten der Musikschulen bereits zu über 50 % Kinder aus sozialen Randlagen erreicht werden. Ein nicht unerheblicher Anteil der Partnereinrichtungen befindet sich in ausgewiesenen Sozialräumen mit besonderem Entwicklungsbedarf. Um der pädagogischen Aufgabe und den Herausforderungen im Umgang mit der zunehmenden Vielfalt der Schüler*innen gerecht werden zu können, bot der Landesverband verschiedene Fortbildungsangebote im Themenfeld „Vielfalt und Inklusion“ an. Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur stellte weiterhin Mittel zur Verfügung, um geflüchteten Musiker*innen Stipendien an Musikschulen zu ermöglichen. Auch konnten Musikschulen Landesmittel für integrative und inklusive Projekte beantragen. So entstanden vielerorts neue Unterrichtsangebote mit arabischen Instrumenten, interkulturelle Ensembles oder Veranstal-tungsformate wie die „One World Session“ in Osnabrück. In Zusammenarbeit mit dem vom Musikland Niedersachsen eingerichteten „Global Board“ wurden viele Projekte mit geflüchteten Künstler*innen durchgeführt. So kam in Zusammenarbeit mit Musikschulen ein sinfonisches Werk eines arabischen Komponisten mit dem Staatsorchester Braunschweig und arabischen Solisten zur Aufführung. Weitere Highlights waren im Oktober das Hannoversche Inklusive Soundfestival unter der Leitung der Musikschulpädagogin Christiane Joost-Plate und im November die Inklusiven Aktionstage in Osnabrück. Auch zu erwähnen ist die seitens des Verbandes geplante unterstützende Öffentlichkeitsarbeit in einfacher Sprache.

In Kooperation mit der Agentur für Erwachsenen-und Weiterbildung und bereitgestellten Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur konnte 2018 ein großes Projekt zur Sprachförderung in Verbindung mit musikalischen und künstlerischen Methoden auf den Weg gebracht werden, an dem Musik- und Kunstschulen sowie theaterpädagogische Einrichtungen fest in das Curriculum der Sprachkurse für Erwachsene eingeplant werden. Um den hohen Bedarf an Lehrkräften im Bereich der Elementaren Musikpädagogik (EMP) zu unterstützen, wurden im Verbund mit der Landesmusikakademie Wolfenbüttel und der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover konkrete Planungen für einen berufsbegleitenden Zertifikatslehrgang, der in Wolfenbüttel durchgeführt werden soll, aufgenommen.

Sigrid Neugebauer-Schettler

Wir machen die Musik!

„Das Förderprogramm „Wir machen die Musik!“ dient besonders der musikalischen Bildung und soll daher verstetigt werden.“ So heißt es in der Koalitionsvereinbarung des Landes Niedersachsen für die 18. Wahlperiode des Niedersächsischen Landtages 2017 bis 2022. Die Grundlage dieser Einschätzung ist der positive Evaluationsbericht aus dem Jahr 2016. Nach
nahezu zehn Jahren hat sich das Programm somit erfolgreich als „wichtigstes Angebot der frühkindlichen musikalischen Bildung in Niedersachsen“ (Kulturminister Björn Thümler) etabliert. Das Jahr 2018 stand vor allem im Zeichen der Weiterentwicklung, der Anpassung an aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen und damit der weiteren Profilierung. Die in Angriff genommenen Themen deckten ein großes Spektrum ab.

Vor dem Hintergrund, uneingeschränkte kulturelle Teilhabe ermöglichen zu wollen, zieht sich der inklusive Auftrag, den sich die Musikschulen des VdM bereits 2014 mit der „Potsdamer Erklärung“ gegeben haben, wie ein roter Faden durch die Arbeit an dem Programm. Hierbei beschäftigte sich der Vorstand in 2018 u.a. mit der Frage, inwieweit eine Übertragung des „Index für Inklusion“ auf das Programm möglich wäre und wie diese dann aussehen müsste.

Sowohl in der Arbeit des Vorstandes als auch bei der Mitgliederversammlung des Landesverbandes im März 2018 wurde ein weiterer Aspekt von Teilhabe als Auftrag des Programms beleuchtet: in der breiten Diskussion mit allen anwesenden Musikschulen im Rahmen eines World-Cafés wurde dem inklusiven Auftrag die Frage der sozialräumlichen Durchdringung durch das Programm an die Seite gestellt. Fragen zu den Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Auswahl der Kooperationspartner, als auch Ansätze zu strategischem Handeln wurden beleuchtet.

Ein Aspekt der Erweiterung der Musikschularbeit um den Ansatz einer breiten Musikalisierung durch das Programm ist der Übergang in ein lebenslanges musikalisches Lernen im Anschluss an die zeitlich befristeten Angebote von „Wir machen die Musik!“. Auch hier war die Mitgliederversammlung aufgefordert, Aspekte, Motivatoren und helfende Strukturen für gelingende Übergänge zu identifizieren. Unter dem Eindruck eines Gespräches mit dem niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, diskutierte der Vorstand intensiv die Möglichkeit einer Erweiterung des Programms durch eine systematische Individual- und Begabungsförderung. Unter der Zielsetzung, mehr Kinder für eine spätere musikpädagogische Berufstätigkeit zu gewinnen, beschäftigte sich der Vorstand intensiv mit möglichen Förderbedarfen und -möglichkeiten im Anschluss des heutigen Förderzeitraums des Programms. Unter dem Arbeitstitel „Von der KiTa bis zur SVA“ entstand hierzu eine erste Konzeptskizze, die auch im politischen Raum mit großem Interesse aufgenommen wurde.

All die oben genannten Aspekte und nicht zuletzt auch die intensive Ansprache der Landtagsabgeordneten seitens der teilnehmenden Musikschulen waren am Ende ausschlaggebend für eine deutliche finanzielle Aufstockung der Programmförderung im Jahr 2019 durch den Haushaltsgesetzgeber. Anstelle einer im Raum stehenden Kürzung der Landesmittel können nun dank zusätzlicher 200.000 Euro gegenüber der in den Vorjahren gewährten Landesförderung weitere Projekte umgesetzt werden. Der qualitative Ruf, den sich „Wir machen die Musik!“ mittlerweile erworben hat sowie das hohe Entwicklungspotential in Bezug auf die Ermöglichung kultureller Teilhabe und künstlerischer Potentialentfaltung für alle Kinder sind wichtige Eckpfeiler für die weitere Entwicklung des Programms. Wichtige Ziele für das Jahr 2019 sind somit bereits gesteckt: Zum einen sei hier die Entwicklung der Ausweitung des Programms bis zur Zugänglichkeit zur SVA für alle im Programm genannt. Zum anderen gilt es, die dafür benötigten Ressourcen und Planungssicherheiten durch eine klare und für die Zukunft dynamische Zielvereinbarung mit dem zuständigen Ministerium zu sichern. Nur mit dieser wird es auf Dauer gelingen, dass bereits jetzt erfolgreiche Programm „Wir machen die Musik!“ mit einer noch besseren gesellschaftlichen und räumlichen Durchdringung auszustatten und es gleichzeitig durch ständige Weiterentwicklung zukunftssicher zu machen.

Martin Nieswandt

Digitalisierung

Das Thema Digitalisierung ist allgegenwärtig und in jedem Artikel, Bericht oder Arbeitspapier geht es fast immer um die Eingangsfrage, was denn unter Digitalisierung zu verstehen sei. Die Arbeitsgruppe im Landesverband der Musikschulen hat sich an konkrete, für die tägliche administrative und pädagogische Arbeit fassbare, digitale Themen angenähert und diese auf drei große Hauptbereiche eingegrenzt.

1. Administration

Aus dem Alltag sind digitale Buchungen von Übernachtungen, Zügen, digitale Bestellungen von Noten oder die Suche eines Restaurants für eine Mittagspause, nicht mehr wegzudenken. Die Plattformen hierfür sind 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche zugänglich. Diesem Anspruch, den wir wie selbstverständlich an nahezu alle Dienstleistungen in unserem Umfeld stellen, können nicht alle Musikschulverwaltungen gerecht werden. Es gilt daher Wege aufzuzeigen, Arbeitsabläufe vom ersten Informationsgespräch, über das Lehrangebot, über die Anmeldung/Ummeldung, Unterrichtsverschiebung, Anwesenheitslisten, zu digitalisieren und für die Kunden so nutzerfreundlich wie möglich zugänglich zu machen. Dies selbst-verständlich im Einklang mit der EU-DSGVO. Dies stellt ohne Frage eine große Aufgabe für die Musikschul-landschaft dar. Die Arbeitsgruppe sah sich hierfür Bespiele von Software-Herstellern und Umsetzungsansätze in Musikschulen auch anderer Bundesländer an. Die eine, allumfassende Lösung, gibt es nicht. Vielmehr sind, derzeit immer mehr, Musikschulen auf der Suche nach der individuell besten Lösung. Mitglieder der Arbeitsgruppe wurden daher viel um Rat gefragt bzw. um das Aufzeigen von unterschiedlichsten Möglichkeiten die Verwaltungssekretariate digital(er) auszurichten. Im Verlauf des Jahres war deutlich spürbar, dass die Thematik für immer mehr Musikschulen und Kommunen wichtig wurde. Wege und Ressourcen zu finden das Personal, das mit den neuen Möglichkeiten effektiv arbeiten soll zu schulen, wird in diesem Bereich eine der Kernaufgaben für 2019 sein.

2. Öffentlichkeitsarbeit/Werbung PR

Noch vor wenigen Jahren war der Begriff der Digitalisierung an Musikschulen fast ausschließlich mit dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit verbunden. Als „digitale Musikschulen“ verstand man jene, die eine ansprechende Website ihr eigen nannten und/oder in den sozialen Netzwerken aktiv waren. Selbstverständlich ist dieser Bereich auch nach wie vor von großer Wichtigkeit. Er ist nur noch viel unübersichtlicher geworden. Es gibt so viele Kanäle, Dienste, Services, Suchmaschinen, Onlinewerbeanbieter, dass man schnell die Übersicht verlieren kann und sich mit der Frage konfrontiert sieht: „Was von alledem nützt mir denn tatsächlich? Wer sieht überhaupt meine Inhalte oder meine Werbung?“ Die Gefahr besteht zu viel Arbeitszeit und Ressourcen in „Content“ zu investieren, der im Überangebot der Informationen untergeht. Auch hier sind die Musikschulen auf der Suche. Eine Homepage, eine Facebookseite oder einen Youtube-Kanal, GoogleMaps Einträge mit Bewertungen, mit all dem kann fast jede Musikschule aufwarten, für eine wirkungsvolle Betreuung der vielen Dienste, sehen (noch) die wenigsten Kommunen Ressourcen vor. Eine einheitliche Strategie der Verbandsmusikschulen zu entwickeln, eventuell in Form einer „Marke Musikschule“, ist eine Vision für die Zukunft von öffentlichen Musikschulen, die in 2019 weiterverfolgt werden soll.

3. Digitalisierung in der Musikpädagogik

Die Administration und die Öffentlichkeitsarbeit dienen dem übergeordneten Ziel, Menschen in Musikunterricht zu vermitteln. Was digitale Elemente im oder gar eine vollständige Digitalisierung des Instrumental/Vokalunterrichts angeht, gehen die Meinungen auseinander. Es gibt Musikpädagoginnen und Musikpädagogen, die ihren Unterricht ganz bewusst als Smartphone- und computerfreie Zone ansehen. Im Überangebot der visuellen und akustischen Eindrücke, die gerade Kinder und Jugendliche durch die neuen Medien erfahren, soll der Musikunterricht hier ein Gegengewicht bilden und die Schülerinnen und Schüler auf ganz anderen (verkümmerten) Kanälen ganzheitlich erreichen. Den Befürwortern der Digitalisierung auf der anderen Seite, geht es nicht darum den persönlichen Unterricht in Frage zu stellen oder zu ersetzen. Durch die Möglichkeiten der Digitalisierung kann er vielmehr ergänzt und vielfältig erweitert werden. Kein Computer wird je das multidimensionale Erlebnis eines direkten Musikunterrichts ersetzen. Den Musikunterricht aufzuschließen, auf Klangreisen zu gehen, Hilfsmittel an die Hand zu geben, über musikalische Spiele und den Willen den Highscore zu knacken zu motivieren, sind Chancen die darauf warten genutzt zu werden. In letzter Kon-sequenz sind Netzwerke mit anderen Übenden denkbar, die sich untereinander austauschen und sich über geographische Entfernungen hinweg, verbinden. Die Arbeitsgruppe hat viel recherchiert, eigene Ideen entwickelt und präsentiert. Im Fortbildungsprogramm des Landesverbandes finden sich auffallend viele Angebote aus dem Bereich der Digitalisierung. Das Thema ist in der Musikschulrealität angekommen. Gerade im Hinblick auf Kooperationsangebote, bieten Netzwerke wie AppMusik ganz neue und faszinierende Möglichkeiten der Musikalisierung. Im nächsten Jahr wird es für die Arbeitsgruppe darum gehen, weiter darauf hinzuarbeiten, die Angst vor den neuen Möglichkeiten zu nehmen und Beispiele aufzuzeigen, wie die Chancen der Digitalisierung effektiv für das Bestreben, hochqualitativen Instrumental-/ Gesangsunterricht anzubieten, genutzt werden können.

Sprachkurse zur Förderung der gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe

„Mit den Künsten sprechen lernen!“ – Unter diesem Motto steht ein neues Förderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK), das Sprachkurse für Geflüchtete mit kulturellen Angeboten kombiniert.

Das MWK stellt 2018 für das in Deutschland einmalige Programm rund 5 Millionen Euro zur Verfügung. Die „Kultursprachkurse“ dienen der Förderung gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe und ergänzen die bisherigen Sprachförderangebote des Landes. Sie werden von den Einrichtungen für Erwachsenenbildung in Zusammenarbeit in Kooperation mit Musikschulen, Kunstschulen und Theaterpädagog*innen angeboten. Die ersten Kurse starteten im Oktober 2018. Dem Programm liegt die Idee zugrunde, die von den Trägern der Erwachsenenbildung angebotenenen Vertiefungssprachkurse mit kultureller Bildungspraxis zu verknüpfen, um Geflüchteten mit diesem ganzheitlichen Ansatz den Erwerb der Sprache zu erleichtern. Die Teilnehmer*innen der Sprachkurse werden unter Anleitung von Lehrkräften von Musikschulen, Do-zent/-innen von Kunstschulen und Theaterpädagog/-innen durch musikalische, künstlerische und szenische Aktivitäten und Ausdrucksformen zum Sprechen angeregt und im Erlernen ihrer neuen Sprache unterstützt und lernen sozusagen „mit den Kün-sten sprechen“. Die damit verbundenen kommunikativen und sozialen Anlässe und Prozesse begünstigen zudem einen intensiven und nachhaltigen Spracherwerb. Das Besondere an diesem Programm ist, dass kulturelle Bildungsangebote nicht als ein add-on zu den Sprachkursen gesehen werden, sondern dass die beteiligten Partner (Sprachdozent*in und z.B. Lehrkraft einer Musikschule) gemeinsam ein inklusives Kurskonzept entwickeln, in dem sich kulturelle Praxis und Lehrinhalte des Sprachkurses verbinden.

Der Landesverband der Kunstschulen Niedersachsen, der Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen und der Landesverband niedersächsischer Musikschulen haben gemeinsam mit der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung das Konzept entwickelt. Alle Partner unterstützen aktiv die Umsetzung des Programms.

Bitte lesen Sie hierzu auch den Einzelbericht der Musikschule Beverstedt-Hagen in diesem Jahresbericht.

Teilnehmende Musikschulen
Musikschule Beverstedt-Hagen, Musische Akademie Emden e. V., CJD Musikschule Elze, Kreismusikschule Gifhorn, Musikschule Hildesheim e. V., Kreismusikschule Peine, Musik- und Kunstschule der Stadt Osnabrück, Musikschule der Stadt Oldenburg, Musikschule des Emslandes e. V., Musikschule, Wesermarsch e. V., Musikschule Wilhelmshaven gGmbH.

Klaus Bredl

Weitere Informationen zum Programm:
www.aewb-nds.de/themen/migration-integration/sprachkurse-
zur-foerderung-der-gesellschaftlichenkulturellen-teilhabe

Europäische Datenschutzgrundverordnung

Am 25. Mai 2018 trat die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union in Kraft. Die EU-DSGVO enthält eine ganze Reihe von neuen Bestimmungen und Anforderungen hinsichtlich der Speicherung, Verarbeitung, Nutzung und Löschung von personenbezogenen Daten sowie zu Nachweis- und Auskunftspflichten. Die Hürden für den Datenschutz werden deutlich höher, die Dokumentations und Rechenschaftspflichten bei dem Umgang mit personenbezogenen Daten umfangreicher. Die Bestimmungen der EU-DSGVO gelten uneingeschränkt und in allen wesentlichen Punkten für alle, die mit personenbezogenen Daten zu tun haben, so auch für öffentliche Musikschulen, deren Leitungen, Verwaltungen, Lehrkräfte und Träger.

Aus diesem Grund hat auch der Landesverband seinen Mitgliedsschulen geraten, sich umfassend und detailliert mit den Bestimmungen der EU-DSGVO zu beschäftigen und die Maßnahmen in Angriff zu nehmen, welche aufgrund der neuen Bestimmungen für den eigenen Musikschulbetrieb und die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Honorarkräften notwendig werden. Unterstützend hat der Landesverband zunächst zwei Informations-veranstaltungen in Hannover durchgeführt, die von einer kompetenten Mitarbeiterin der Niedersächsischen Landesbeauftragten für Datenschutz geleitet wurden. Ergänzend dazu hat der Landesverband einen zentralen Datenschutz-beauftragten (ZDSB) bestellt, dessen Dienstleistungen auf Wunsch und gegen eine jährliche Gebühr auch von den Verbandsschulen in Anspruch genommen werden können. Dieser Service wird derzeit von 35 Musikschulen – überwiegend in e. V.-Trägerschaft – genutzt. Unter Leitung des ZDSB fanden mehrere dezentrale Schulungsseminare statt. Eine Telefonhotline und individuelle Vor-Ort Termine ergänzen das Spektrum der vom Landesverband ermöglichten Unterstützungs-und Beratungsleitungen.

Arbeitskreis niedersächische Kulturverbände (akku)

Seit Jahren ist der Arbeitskreis der Niedersächsischen Landeskulturverbände (akku) ein wichtiger Gesprächspartner der Landesregierung. In engem Kontakt mit MWK bringen die Landesverbände ihr Fachwissen aus aktuellen Diskursen und globale Entwicklungen ihrer Sparten ein. Zugleich verfügen sie über detaillierte Kenntnis der Kulturschaffenden und der Entwicklungen der Initiativen und Institutionen im ganzen Land. Vielfach wurden in jüngster Vergangenheit sowohl von der niedersächsischen Landesregierung als auch von akku die enormen Potenziale der Kultur und die Bedeutung jeder einzelnen Kultureinrichtung insbesondere im ländlichen Raum hervorgehoben. Die an die Kultur heran-getragenen gesellschaftlichen und sozialen Aufgaben können jedoch nur erfüllt werden, wenn entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt werden. Niedersachsens vielfältige freie Kulturszene benötigt für anstehende Herausforderungen und Transformationsprozesse etwa in den Bereichen Digitalisierung und demographischer Wandel dringend investive Mittel, um sich zukunftsfähig zu positionieren. Auch der Wunsch, den Integrationsprozess für neu ankommende Menschen langfristig zu unterstützen, kann von den Kultur-einrichtungen nur unter der Voraussetzung ausreichender Unterstützung durch die öffentliche Hand eingelöst werden.

Angesichts erheblicher Streichungen im Bereich der Freien Kultur im Haushalts-planentwurf der CDU/SPD- Landesregierung für das Jahr 2019 hat akku in einem Schreiben an den Niedersächsischen Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, darum gebeten, sinnvolle Strukturen in der Landeskulturförderung, deren Erfolg auch durch Evaluationen bestätigt wurde, aufrechtzuerhalten. Aus Sicht der Landeskulturverbände widersprechen die Kürzungsvorhaben den in der Koalitionsvereinbarung 2017 – 2022 formulierten Zielsetzungen der Regierungsfraktionen.

Die zentralen Forderungen von akku lauteten:

  • Unterstützung der Kultureinrichtungen und -initiativen (…) bei der digitalen Transformation.
  • Verstetigung und Ausbau des Investitionsprogramms für kleine und mittlere Kultureinrichtungen und Museen.
  • Förderung der kommunalen und freien Theater, der Theaterpädagogik und Soziokultur im Sinne der Aufrechterhaltung kultureller Vielfalt.
  • Sicherung der Landesförderung der Mitgliedsverbände im
    Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände (akku) mit Blick auf deren künftige Aufgaben.

Letztendlich gelang es dank vieler Gespräche mit Abgeordneten des Niedersächsischen Landtags und auch vereinzelter Protestaktionen die drohenden Kürzungen im Kulturbereich größtenteils abzuwenden. Über die sogenannte Politische Liste wurden Kultureinrichtungen, Kulturprojekte und Kulturverbände zeitlich befristete Mittel zur spartenorientierten Förderung zugesichert. „Kultur ist kein und darf kein Randthema in unserem Land sein. Daher haben wir beschlossen, die kulturellen Einrichtungen in Niedersachsen mit rund 8,6 Millionen Euro zu fördern. Wir schaffen mit diesen Förderungen den Raum für kulturelle Vielfalt und stärken damit auch die Bildung in Niedersachsen“, so Dirk Toepffer, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion im November 2018.

Bereits im März 2018 folgten die Vertreter der akku-Mitgliedsverbände der Einladung von Minister Thümler zu einer ersten Gesprächs- und Austauschrunde, in der schwerpunktmäßig die Themen Institutionelle Förderung der Kultur-verbände, Chancen, Potenziale und Perspektiven der Digitalisierung und Kulturarbeit im ländlichen Raum behandelt wurden. Im Lauf des Jahres fanden weitere Gespräche der Mitgliedsverbände mit den kultur- und bildungspolitischen Sprecher*innen der im niedersächsischen Landtag vertretenen Parteien statt.

Ebenso haben sich die akku Verbände aktiv an den ersten beiden Regional-konferenzen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur mit dem Titel “Landkult(o)ur-Wandel begleiten” am 22.10.18 in Lingen (Schwerpunktthema: „Standortfaktor Kultur“) und am 23.11.18 in Peine (Schwerpunktthema: „Kultur verbindet Welten“) beteiligt.

Im Arbeitskreis niedersächsische Kulturverbände sind derzeit 14 Fach- und Dachverbände, darunter der Landesverband niedersächsischer Musikschulen, zusammengeschlossen, die die Interessen von über 1.000 Akteuren und Einrichtungen in kommunaler und freier Trägerschaft vertreten.

Klaus Bredl

Weitere Informationen:
www.akku-niedersachsen.de