Arbeitsschwerpunkte 2019

Berichte aus den Arbeitsgrupppen des Vorstands

Individual- und Begabungsförderung

Der Landesverband Niedersächsischer Musikschulen e.V. hat sich auf den Weg und zur Aufgabe gemacht, ein Gesamtkonzept zur Individual- und Begabungsförderung zu erarbeiten.

Hierzu tagte eine AG mit folgenden beteiligten Personen an fünf Tagen verteilt über das gesamte Jahr 2019: Martina Zimmermann (Musikschule Hemmingen), Verena Tschira (Musikschule der Landeshauptstadt Hannover), Michael Ränger (Musikschule Seevetal), Heinz Gassenmeier (Kreismusikschule Leer), Daniel Keding (Städtische Musikschule Braunschweig), Prof. Andrea Welte und Prof. Christoph Hempel (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover) sowie Klaus Bredl (Geschäftsführer des Landesverbandes). Diese AG-Arbeit war eine Fortsetzung der ersten Konzeptentwicklungen aus dem Jahr 2018.

Hintergrund für die Konzeptentwicklung sind die Aspekte, besonders begabten und interessierten Kindern flächendeckend einerseits ein Förderangebot anzubieten und andererseits die Heranbildung des Berufsnachwuchses für Musik in seinen unterschiedlichen Ausprägungen zu sichern.

Zum einen besteht seit über 10 Jahren eine kooperative Beziehung zum IFF, konkret durch das über das Kultusministerium finanzierte Projekt „VIFF Regional“. Diese Maßnahme richtete sich bislang an besonders begabte bzw. hochbegabte sowie vor allem an Musik interessierte und aufgeschlossene Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. Das Angebot sollte deren Instrumentalunterricht durch wöchentliche ergänzende Angebote (Musik & Bewegung, Theorie, Gehörbildung, Solmisation etc.) an ausgewählten Standorten unterstützen. Dieses Konzept musste überarbeitet werden, da sich die Zahl der VIFF Regional-Standorte über die Jahre reduziert hatte und zuletzt nur noch vergleichsweise wenige Schüler*innen an drei Standorten (in Braunschweig, Osnabrück und Hildesheim) in den Genuss der Förderung kamen.

Zum anderen, angesichts sehr begründeter Sorgen um den künstlerischen und musikpädagogischen Nachwuchs, hat die Arbeitsgruppe des Landesverbandes ein zukunftsweisendes Konzept für eine flächendeckende systematisierte Begabungsfindung und -förderung erarbeitet.

Das Konzept wurde in den Grundzügen am 13. März 2019 der Mitgliederversammlung des Landesverbandes in Osnabrück vorgestellt. Die Tagungsteilnehmer*innen, darunter auch Gäste der niedersächsischen Schulmusikfachverbände sowie Vertreter*innen der Hochschule Osnabrück, haben im Rahmen einer Fachdiskussion die Überlegungen außerordentlich begrüßt. Einen ebenso großen und ungeteilten Zuspruch erfuhr das Konzept von den Teilnehmer*innen einer Tagung des Landesmusikrates Niedersachsen am 31.08.19. Das Konzept war Kern eines einleitenden Impulsreferats von Klaus Bredl, um die inhaltliche Diskussion unter den Delegierten aller Mitgliedsverbände zum Thema „Musikalische Begabungsförderung“ anzuregen.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor im Konzeptentwurf ist die möglichst frühzeitig erfolgende Sichtung sowie gezielte Ansprache von musikalisch interessierten Kindern sowie deren weitere Förderung mit alters- und leistungsentsprechenden musikalischen Angeboten mit der Option einer Durchlässigkeit. Das Musikalisierungsprogramm „Wir machen die Musik!“ bietet aufgrund seiner flächendeckenden Kooperationsstruktur dafür die ideale Grundlage und ist neben dem sogenannten „Kernbereich“ der Musikschulen Ausgangspunkt des „Scoutings“.

Die Zielsetzung ist es somit, musikalisch begabte Kinder aus dem Musikschulbereich und den derzeit über 1.300 „Wir machen die Musik!“ – Kooperationsprojekten in enger Absprache mit  Eltern und pädagogischen Bezugspersonen an den Musikschulen musikalisch weiter zu fördern.

Mittels nach Alter und Leistungsvermögen der Kinder differenzierter Anschlussmaßnahmen sollen alle an dem Programm beteiligten Musikschulen landesweit für einen nahtlosen Übergang von dem musikalischen Breitenangebot hin zu einer Begabungsförderung sorgen. Die Angebote sollen überdies auch insbesondere den Instrumental-/Vokalunterricht (auch für musikschulexterne Schüler*innen) sinnvoll ergänzen (Musiklehre, Musik und Bewegung, Rhythmik, Hörerziehung, Improvisation und Solmisation etc.), um vor allem den musikpädagogischen Berufsnachwuchs in Schulen und Musikschulen zu sichern.

Aus Sicht des Landesverbandes muss der Zugang zu Begabungsförderangeboten allen Kindern offenstehen und darf keinem Kind aufgrund finanzieller Hürden und unabhängig von ihrem Wohnort versperrt sein. Wichtige Voraussetzung für eine gelingende Umsetzung des Konzepts ist deshalb eine Finanzierungsstrategie, welche sicherstellt, dass vor allem die finanzielle Belastung von Eltern und Familien gering bleibt. Dieser Thematik hat sich die AG ebenso gestellt, wie die inhaltliche Gestaltung in den einzelnen Alters- und Leistungsstufen unter Mitverantwortung der vier Musikschulregionen im Nachfolgeprogramm des „VIFF Regional“. Die Studienvorbereitende Ausbildung (SVA) in ihrer aktuellen Form wurde von der AG in das Gesamtkonzept im Übrigen eingebettet und soll unverändert fortgeführt werden.

Die Darstellung des Nachfolgeprogramm des „VIFF Regional“ und des gesamten Konzeptes wird an anderer Stelle des Jahresberichts vorgestellt und erläutert.

Daniel Keding

Musikschule und Digitalisierung

Der Begriff der Digitalisierung zieht sich durch sämtliche Lebensbereiche. Es gibt kaum eine Kommune, die das Thema in 2019 nicht zu einem der Kernthemen erhoben hat. Konkret zu fassen was sich hinter diesem Begriff an Themen- und Handlungsfeldern für Musikschulen verbirgt, ist mitunter gar nicht so eindeutig. Die AG „Digitale Strategie” hat im Jahr 2019 drei Arbeitsgebiete verfolgt.

Zuerst ist da die Sammlung digitalen Expertenwissens im Landesverband zu nennen. Zu den Themenfeldern Datenschutz, Social Media, hybride Didaktik, Administration, digitale Forschung und digitale Motivationsmodelle, wie z.B. Gamification, wurden Ansprechpartner und Experten identifiziert. Dieses Netzwerk gilt es nun auszubauen und den Musikschulen des Landesverbandes zugänglich zu machen. Hierfür erprobt die AG auch digitale Konferenz- und Austauschtools, wie „Zoom” (Videokonferenztool) und „slack” (Kommunikationstool), um diese für den effektiven Einsatz auf Landesebene zu erproben.

Anhand der gefundenen und profilierten Kompetenzfelder arbeitet die AG ferner an der Skizze für eine digitale Strategie des Landesverbandes, anhand derer sich Ziele, Wege und auch Zeitachsen für die digitale Zukunft der Musikschularbeit ableiten lassen. In diesen Bereich fällt auch die Mitarbeit einiger AG-Mitglieder in entsprechenden Arbeitsgruppen, die der VdM auf Bundesebene unter dem Projekttitel „Digitale Chancen” ins Leben gerufen hat. Hier handelt es sich um die Felder der Administration, der digitalen Öffentlichkeitsarbeit und der digitalen Chancen im Kontext von Unterricht.

Darüber hinaus ist die AG damit beschäftigt, den digitalen Fachtag „Der Instrumentalunterricht im Wandel – Wie sieht der Musikschulunterricht der Zukunft aus?” am 29.10.2020 in Oldenburg vorzubereiten. Hier sollen insbesondere die musikpädagogischen Aspekte der digitalen Transformation im Vordergrund stehen. Der digitale Wandel macht auch vor Musikschulen nicht Halt und nahezu jeder ihrer Arbeitsbereiche ist von ihm betroffen. Die Risiken zu erkennen und die Chancen zu nutzen, ist die Kernaufgabe der Arbeitsgruppe „Digitale Strategie“.

Holger Denckmann und Martin Nieswandt

Die Zukunft der Musikschulen oder: die Notwendigkeit eines strategischen Politikmarketings

“Musikschulen erfüllen eine wichtige kultur- und bildungspolitische Aufgabe in den Städten, Kreisen und Gemeinden. Sie haben, in Kooperation mit den Kindertagesstätten und allgemeinbildenden Schulen, eine eigenständige pädagogische und kulturelle Aufgabe. Musikschulen sind, wie das Bildungssystem insgesamt, eine öffentliche Gemeinschaftsaufgabe, bei der auch die Länder in der Pflicht stehen. Diese sollten sich angemessen an Betriebskosten, überörtlichen Aufgaben sowie Qualifizierungsmaßnahmen beteiligen.” (aus: Die Musikschule – Leitlinien und Hinweise (vom Deutschen Städtetag und Deutschen Landkreistag 2010 verabschiedt))

Die öffentlichen Musikschulen in Niedersachsen sind nach dem Strukturplan des Verbandes deutscher Musikschulen aufgebaut und erfüllen dessen Qualitätsrichtlinien. Auf der Grundlage ihres öffentlichen Bildungsauftrages ermöglichen sie die kulturelle Teilhabe für breite Teile der niedersächsischen Bevölkerung. Dabei nehmen die niedersächsischen Musikschulen auf mehreren Feldern ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr.

In den vergangenen Jahren lag ein Schwerpunkt beim Ausbau von Kooperationen insbesondere mit Schulen und Kindertageseinrichtungen. Das niedersächsische Musikalisierungsprogramm „Wir machen die Musik!“ gilt aufgrund seiner partizipativen Förderstruktur als vorbildliche Plattform dafür. Land, Träger, Eltern, Sponsoren tragen gemeinsam Verantwortung für ein Bildungsnetzwerk, das bereits über 360.000 Kindern einen ungehinderten Zugang zu musikalischer Bildung ermöglicht hat.

Mit der frühzeitigen Hinführung zur Musik ist es aber nicht getan. Viele Kinder haben ein weiterführendes Interesse, Talent und möglicherweise auch die nötige Begabung für ein Musikstudium bzw. einen Musikberuf. Bereits heute besteht großer Mangel an qualifizierten Musikpädagog*innen. Die musikalische Begabungsförderung muss deshalb in enger Zusammenarbeit von Musikschulen, Schulen und weiteren Partnern dringend intensiviert und ausgeweitet werden. Eine umfassende musikalische Ausbildung ist fachlich, zeitlich, organisatorisch und finanziell aufwendig. Sie kann weder allein von den Schulen gewährleistet, noch von den Elternhäusern finanziert werden. Auch hier tragen Kommunen und Land deshalb gemeinsame Verantwortung.

Der Landesverband niedersächsischer Musikschulen fordert daher für beide Bereiche – musikalische Breitenarbeit und musikalische Begabungsförderung – eine angemessene Finanzierungsbeteiligung des Landes. Sowohl die kommunalen Träger als auch die Eltern sind angesichts der hohen Kosten und des großen Bedarfs mit der Aufgabe überfordert. Die Landesförderung der Musikschulen ist seit Anfang der 2000er Jahre nicht gestiegen – die Haushalte der Musikschulen aufgrund allgemein steigender Nachfrage und wachsender Personalkosten dagegen sehr.

Ein weiteres Problem betrifft den musikpädagogischen Nachwuchs. Bereits heute spüren die Musikschulen Engpässe bei der Versorgung mit qualifiziertem Lehrpersonal. Gleiches gilt für allgemein bildende Schulen, insbesondere für Grundschulen. Es gilt, den Beruf des/der Musiklehrers*in so attraktiv zu gestalten, dass sich wieder mehr junge Menschen für diesen Berufsweg entscheiden. Aber Werbemaßnahmen und Begabungsförderung allein werden nicht genügen. Die kommunalen Musikschulträger werden nicht umhin kommen, die Arbeitsbedingungen für Musiklehrkräfte insgesamt zu verbessern, insbesondere für angemessene Vergütungen und mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu sorgen.

Die Bereitschaft, sich gesellschaftlichen Anforderungen zu stellen und ihre Leistungsfähigkeit bei der Bewältigung der an sie gestellten Aufgaben haben die öffentlichen Musikschulen hinreichend unter Beweis gestellt. Nun geht es darum, ihren Anliegen und berechtigten Forderungen Ausdruck und Gewicht zu geben. Neben den Kommunen ist nun vor allem das Land Niedersachsen gefordert, seinen Anteil an der Finanzierung öffentlicher Musikschulen zu erhöhen. Andere Bundesländer haben jüngst „vorgelegt“ und ihre z.T. schon vergleichsweise hohe Musikschulförderung signifikant angehoben, wie etwa Nordrhein-Westfalen (plus 7 Mill €), Baden-Württemberg (plus 3,8 Mill €) und Bayern (plus 1,3 Mill €).

Niedersachsen, ohnehin schon Schlusslicht im Ländervergleich, darf angesichts dieser Entwicklungen den Anschluss nicht verlieren und muss sich auch dem föderalen Wettbewerb der Bundesländer stellen. Der Landesverband niedersächsischer Musikschulen fordert bundesweit Chancengleichheit beim Zugang zu Bildungsangeboten und vergleichbare Arbeitsbedingungen für qualifiziertes Lehrpersonal.

Die Landespolitik hat jenseits von parteipolitischen Positionierungen längst die große Bedeutung musikalischer Bildung erkannt und oft betont, wie sehr sie die Arbeit der Musikschulen schätzt. Dennoch sind notwendige und auch versprochene finanzielle Aufwüchse der Landesförderung bisher ausgeblieben. Es geht nun um nichts Geringeres als um die Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Einrichtungen und der musikpädagogischen Infrastruktur im Land. Der Landesverband niedersächsischer Musikschulen und die ihm angeschlossenen Mitgliedseinrichtungen werden deshalb den Druck auf die Landespolitik auf allen Ebenen erhöhen und um die Zukunft musikalischer Bildung kämpfen müssen. Örtliche und regionale Netzwerke, Kooperationspartner, Lehrkräfte, Eltern und einflussreiche Fürsprecher der Musikschulen sind aufgerufen, sich in einer konzertierten Initiative bei „ihren“ Abgeordneten für die Sicherung der Einrichtungen und damit auch für die berechtigten Interessen der Bevölkerung ihres Wahlkreises einzusetzen. Die Planung und Umsetzung eines strategischen Politikmarketings wird Schwerpunktthema der Mitgliederversammlung 2020 und sicher auch der darauffolgenden Monate sein. Der Landesverband hat zur Planung und Koordination eine Arbeitsgruppe eingerichtet.

Klaus Bredl

Sprachkurse zur gesellschaftlichen kulturellen Teilhabe

Ein Projekt in Kooperation mit der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB)

„Mit den Künsten sprechen lernen“ – unter diesem Motto stand ein neues Förderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK), in dem Sprachkurse für Geflüchtete mit kulturellen Angeboten von Musikschulen, Kunstschulen und theaterpädagogischen Einrichtungen kombiniert wurden. Das MWK stellte für dieses bundesweit einzigartige Modellvorhaben in 2018/19 rund 5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Teilnehmer*innen der von den Erwachsenenbildungseinrichtungen angebotenen „Kultursprachkurse“ wurden unter Anleitung von Musikschullehrkräften sowie Dozent*innen aus Kunstschulen und Theaterpädagog*innen durch musikalische, künstlerische und szenische Aktivitäten und Ausdrucksformen erfolgreich beim Erlernen ihrer neuen Sprache unterstützt. Das Konzept wurde von den Landesverbänden der Kunst- und Musikschulen und vom Landesverband Theaterpädagogik Niedersachsen gemeinsam mit der AEWB entwickelt und erfolgreich in der Umsetzung unterstützt.

Gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung (BST) wurden Überlegungen für eine mögliche Weiterentwicklung des Konzeptes bzw. dessen Verknüpfung mit dem Stiftungsprogramm „Musik-Sprache-Teilhabe“ verfolgt. Es wurden hierzu mehrere „Runde Tische“ in den Modellregionen Weser-Ems und Wesermarsch veranstaltet, an denen neben den bereits genannten Initiativverbänden und der BST weitere Akteure und Vertreter*innen regionaler Bildungsträger mitwirkten.

Folgende Zielsetzungen werden mit diesem Ansatz verfolgt:

Bündelung der regionalen und lokalen Kräfte und
Zusammenwirken aller (Bildungs-)Akteure

  • Vernetzung von Organisationen/Institutionen/
    Akteuren befördern
  • Verzahnung/Förderung von Angeboten formaler, non-formaler,
    informeller Sprachbildung

Optimierung der Koordinierung und Abstimmung
der
(Bildungs-)Angebote

  • Interkulturelle Öffnung von Einrichtungen/Angeboten fördern,
    an Übergängen arbeiten
  • Bedarfsgerechte, praxisbezogene, kreative, niedrigschwellige,
    stadtteilbasierte Sprachbildungsangebote schaffen

Verbesserung der Qualität bestehender
Bildungsangebote

  • Neue inhaltliche Impulse für Sprachförderung/-bildung sowie für professions-, institutions- und ebenenübergreifendes und konzeptionelles Arbeiten setzen
  • Professionalisierung von Fachkräften und Ehrenamtlichen fördern

Integration und Einstieg von Neuzugewanderten
in das Bildungssystem/in die Gesellschaft

  • Sozialen/kulturellen Austausch, interkulturelles Lernen
    und Teilhabe ermöglichen
  • Wohnortnahe Begegnungsanlässe und -möglichkeiten schaffen
Projektbericht der Musik- und Kunstschule der Stadt Osnabrück

Nach der Kick-Off-Veranstaltung am 30.10.2018 und einem ca. dreiwöchigen reinen Sprachunterricht begann der musikalische Teil des Sprachkurses mit einem intensiven Workshop-Wochenende. Ohne große Umschweife kam die Gruppe durch Singen, Improvisieren und Explorieren in ein aktives gemeinsames Musizieren mit Stimme und Instrumenten.

Diesem musikalisch intensiven Auftakt folgte wöchentlicher Unterricht an drei Unterrichtstagen in der Woche, wobei an zwei Tagen lehrbuchzentriert Deutsch unterrichtet und an einem Tag in Doppeldozentur Musik mit Sprache verbunden wurde.

Im Sinne des ganzheitlichen Lernens und anhand des Lehrwerks bezogen die Dozentinnen Instrumente, Stimme oder auch Bodypercussion in den Unterricht ein. Mit Hilfe des Sprechens im gemeinsamen Puls, des Arbeitens mit Artikulation und Betonungen, des Rhythmisierens von Wörtern oder Sätzen und weiterer musikpädagogischer Übungen konnte der Spracherwerb gezielt gefördert werden. Das Hören, Singen und Verstehen deutscher Lieder nahm einen weiteren wichtigen Teil des Unterrichts ein. Die Dozentinnen wählten die Lieder anhand der aktuellen Lehrbuch-Themen aus. Außerdem entwickelten sie zu diesen Übungen zur Vertiefung aktueller Lernthemen. Das damit verbundene Erlernen der deutschen Umgangssprache durch Liedtexte wurde von den Teilnehmenden oft gelobt und trug zum Verstehen und Sprechen der Sprache erheblich bei. Anfang März 2019 schrieb die Gruppe an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden im Workshop-Format einen eigenen Song. Nach Themenvorschlägen wie „Liebe“, „Familie“, „Dankbarkeit“, „Freundschaft“ oder „Wünsche und Träume“ einigte sich die Gruppe darauf, ein Lied zu entwickeln, dass zwar von schwierigen Zeiten, aber auch von positiven Veränderungen und dem Nach-Vorne-Schauen spricht. Zum Liedtext entwickelte die Gruppe mithilfe der Dozenten eine passende Musik und übte das Lied als Band ein, bevor sie es am letzten Tag im Tonstudio aufnahmen. Das Drehen eines Videoclips brachte das Geschriebene auf eine andere Ebene. Das Video sollte den Song(text) unterstützen und aussagekräftig in Szene setzen. Innerhalb eines dreitägigen Workshops schauten die Dozenten einführend mit der Gruppe verschiedene Musikvideos zu deutschen Popsongs an, besprachen, wie der Liedtext dort dargestellt wurde und entwickelten eigene Ideen zu ihrem Lied. Der Videodreh basierte auf der Kreativität der Teilnehmenden und wurde teilnehmerzentriert gestaltet. Im Video sind neben Bandszenen verschiedene Szenen zu sehen, die Gemeinsamkeit und Zusammenhalt ausstrahlen. Beispielsweise machen die Bandmitglieder Aufnahmen mit einer Sofortbildkamera, was das Festhalten positiver Erinnerungen verdeutlichen soll. Der Videodreh fand an der Musik- und Kunstschule, der Volkshochschule und rund um den Rubbenbruchsee in Osnabrück statt. Der musikalische Teil des Projektes schloss mit dem Videodreh ab. Gemeinsam mit der Sprachdozentin bereitete sich der Kurs in den folgenden zwei Wochen intensiv auf die Prüfung vor.

Franziska Apel