Arbeitsschwerpunkte 2020

Berichte aus den Arbeitsgrupppen des Vorstands

Individual- und Begabungsförderung

Bei der Mitgliederversammlung 2020 in Hannover stellte Daniel Keding den Konzeptentwurf einer umfassenden und flächendeckenden „Systematischen musikalischen Individual- und Begabungsförderung“ (smibf) vor. Das Konzept ist von einer Arbeitsgruppe aus Vertreter*innen der Musikschulen und der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover in zahlreichen Sitzungen entwickelt worden.

Wichtige Elemente des Konzepts sind die frühzeitige Identifikation musikalisch interessierter Kinder bereits im Kindergartenalter und deren gezielte Hinführung zu Förderangeboten der Musikschulen in Zusammenarbeit mit Eltern sowie Bildungs- und Kooperationspartnern der Musikschulen. Eine wichtige Rolle im Konzept spielt das Musikalisierungsprogramm des Landes „Wir machen die Musik!“, welches im Sinn der Erkennung und Förderung musikalischer Talente erweitert werden soll. Langfristiges Ziel ist es, mehr Kinder und Jugendliche gezielt auf musikalische und insbesondere musikpädagogische Berufsfelder bzw. Studiengänge in Form eines „Add-ons“ zum Instrumental- / Vokalunterrichts vorzubereiten. Für einen Start in 2021 wurden seitens der Geschäftsstelle bereits Landesmittel beantragt.

Ein Baustein innerhalb des Gesamtkonzepts stellt das Modul „Young Professionals“ zur Förderung musikalisch besonders interessierter und begabter Kinder im Alter von ca. 8-14 Jahren dar. Dieses Angebot tritt die Nachfolge langjährigen Förderprogramms VIFF-regional an, das im Herbst 2020 auslief. Hintergrund ist, eine Förderung in der Fläche mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu ermöglichen. Dieses Angebot hätte dank finanzieller Mittel durch das Aktionsprogramm Hauptsache:Musik des Niedersächsischen Kultusministeriums bereits im Schuljahr 2020/ 2021 in Zuständigkeit und Verantwortung der vier Musikschulregionen in Workshopformaten umgesetzt werden sollen. Das dargestellte Gesamtkonzept fand insgesamt sehr großes Interesse und einhellige Zustimmung in der eingangs erwähnten Mitgliederversammlung, konnte aber aufgrund der Coronapandemie bis zum Redaktionsschluss noch nicht umgesetzt werden.

Der VdM hat für die Studienvorbereitende Ausbildung (SVA) eine aktualisierte Richtlinie herausgegeben. Der Landesverband wird sich einer Angleichung und ebenso einer Aktualisierung seiner Richtlinien, Fördergrundsätze und Durchführungsschriften annehmen.

Daniel Keding

Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen

Das Jahr 2020 startete vielversprechend mit den zahlreichen Kooperationen der öffentlichen Musikschulen mit allgemeinbildenden Schulen. Vor allem die vielfältigen Angebotsformate für das instrumentale und vokale Klassenmusizieren in Grundschulen und im Ganztagsbereich prägen die seit Jahren etablierte Zusammenarbeit der Bildungspartner. Oberste Zielsetzung ist es, möglichst vielen Kindern einen qualitätsvolle musikalische Grundbildung, kulturelle Teilhabe und Chancengleichheit zu ermöglichen.  Mit Hilfe von Kooperationsangeboten können erwiesenermaßen vor allem auch Kinder und Jugendliche erreicht werden, denen der Kontakt zu einer Musikschule aufgrund ihrer wirtschaftlichen, ethnischen oder sozialen Herkunft eher versperrt ist. Jäh unterbrochen wurde die Zusammenarbeit durch die Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Lockdownphasen im Frühjahr und zu Ende des Jahres. Dank ausgefeilter Hygienekonzepte, erheblicher kreativer Leistungen und hohem persönlichem Engagement der Lehrkräfte auf beiden Seiten war es zwischenzeitlich möglich, unter den jeweils gegebenen Einschränkungen mehr oder weniger geregelte Präsenzangebote durchzuführen. Ansonsten wurde versucht, den Kontakt und die Zusammenarbeit mittels alternativer digitaler Vermittlungswege aufrechtzuerhalten. Der Unterricht mit größeren Gruppen unterliegt jedoch weit höheren Einschränkungen, als z.B. der Fernunterricht mit einzelnen Schüler*innen. Dennoch bewiesen viele Musikschulen auch hier großen Einfallsreichtum und ermöglichten ihre musikalischen Bildungsangebote auch unter erschwerten Bedingungen. Zusätzliche und nicht unerhebliche Probleme entstanden vielerorts durch ein Nutzungsverbot von Räumlichkeiten der allgemeinbildenden Schulen. Hier zeigt sich einmal mehr die Problematik uneinheitlicher Regelungen für die schulische und die außerschulische Bildung. Schulen wie auch Musikschulen setzen ihre Hoffnungen auf eine bessere Koordination und Verknüpfung ihrer gemeinsamen Bildungsarbeit in künftigen Verordnungen und Stufenplänen, damit die breit gefächerte musikalische Bildung in gemeinsamer Verantwortung in gewünschter Weise erfolgen kann.

 Arndt Jubal Mehring

Musikschule und Digitalisierung

„Der Begriff der Digitalisierung zieht sich durch sämtliche Lebensbereiche. Es gibt kaum eine Kommune, die das Thema 2019 nicht zu einem Kernthema erhoben hat…“

So begann im vergangenen Jahr der Beitrag der AG „digitale Strategie“ im Landesverband niedersächsischer Musikschulen. Und dennoch ahnten wir wohl nicht in Ansätzen, was uns durch die Corona-Pandemie im Jahr 2020 erwarten würde! Mit einem Mal versetzte uns der erste Lockdown im Frühjahr endgültig in ein digitales Zeitalter.

Auch wenn sich dadurch wohl für uns alle „Musikschule“ radikal verändert hat, profitierten die Musikschulen auch in Niedersachsen von vielfältiger Vorarbeit. Aus der bereits ebenfalls im letzten Jahr beschriebenen Bundes-Arbeitsgruppe „digitale Chancen“ konnte mit der „SmartMusikschule“ sehr schnell dem Bedürfnis nach einem „Musikschulportal“ entsprochen werden, welches unter Mithilfe niedersächsischer Mitglieder noch im Frühjahr auch niedersächsischen Musikschulen zugänglich gemacht werden konnte. Auch wenn dieses Projekt noch im Aufbau ist, so nutzen bereits aktuell schon ca. 10% unserer Musikschulen dieses Portal.

Dies ist sicherlich auch unserem „Digitaltag“ zu verdanken, der – anders als ursprünglich geplant – nun auch komplett digital stattfand. Mit mehr als 70 Teilnehmenden wurde das Angebot am 29.10.2020 ein voller Erfolg.  Auch hier konnten wir davon profitieren, dass in die Planung des Tages bereits viele Themenfelder eingeflossen waren, die sich mit Fortschreiten der Corona-Pandemie als zunehmend wichtig erwiesen. Neben dem Einsatz digitaler Organisationstools, betraf dies auch den Einsatz von Musik-Apps und Multimedia-Werkzeugen im Unterricht. Mit Matthias Krebs, Prof. Andreas Doerne, Manfred Grunenberg und Fridolin Zeisler, konnten sehr spannende und hochkompetente Referenten gewonnen werden.

Als größter Tätigkeitsbereich für uns als Arbeitsgruppe entwickelte sich die Frage nach der Beschaffung von Dienstgeräten. Die vom Landesverband initierten Umfrage unterstrich diesen Fokus noch weiter. Zwar wurden bis Ende 2020 über die N-Bank großzügig Fördermittel vergeben, jedoch waren diese nicht für jede Musikschule zu beantragen. Zu häufig sind Musikschulen dann mit der Betreuung der angeschafften Hardware alleingelassen.

Alles in allem kann man das Jahr 2020 für die Digitalität an niedersächsischen Musikschulen wohl als „Stunde null“ betrachten. Ermöglicht durch die Vorarbeiten der Vorjahre. Erfolgreich umgesetzt in der Krise der Pandemie. Aber eben auch lediglich der Moment des Aufbruchs, der noch für viele Fragen nach Lösungen sucht. Mit einem Positionspapier zum Digitalen Musikunterricht hat der Landesverband ein erstes Zwischenfazit gezogen. Die Themen der Infrastruktur, der Hardware wurden hier schon angesprochen. Aber auch die Fragen rund um die Einschätzung des digitalen Stellenwertes in einer Musikschule der Zukunft sind noch ungeklärt. Diese hängt eng mit Kompetenzen sowohl der technischen Beherrschung von Hard- und Software, als auch der Methoden zusammen. Ebenso gilt es, den sich derzeit rasant entwickelnden Markt von Apps, Videokonferenzsoftware und vielem mehr zu beobachten. Mit der Entwicklung von Konzepten, Empfehlungen und Fortbildungsangeboten wird sich die AG „digitale Strategie“ diesen Herausforderungen weiter annehmen.

Holger Denckmann und Martin Nieswandt

MUSIKSCHULEN
UND DIGITALISIERUNG

Ein Positionspapier zum digitalen Musikschulunterricht des Landesverbandes niedersächsischer Musikschulen e.V.

Die Corona-Krise hat die Nutzung digitaler Vermittlungsangebote im Musikunterricht erheblich beschleunigt. Viele Musikschulen konnten während des Lockdowns mit virtuellen Unterrichtsangeboten den Kontakt zu Schüler*innen und Eltern aufrechterhalten und dabei Chancen und Grenzen digitalen Lehrens und Lernens erfahren.

„Lernen in der digitalen Welt“ ist für öffentliche Musikschulen ein zentrales Zukunftsthema.

Digitaler Musikschulunterricht eröffnet neue Vermittlungswege und Übemöglichkeiten, bereichert den Präsenzunterricht um eine innovative und sinnvolle Komponente und ermöglicht die Überwindung zeitlicher und räumlicher Beschränkungen. Digitaler Unterricht ist bereits heute eine wichtige Ergänzung des Präsenzunterrichts, kann diesen jedoch keinesfalls ersetzen. In Situationen, in denen ein Präsenzunterricht in Musikschulen nicht möglich ist, ist der digitale Unterricht ein guter Weg, die Motivation der Schüler*innen aufrecht zu halten und Lernfortschritte zu sichern. Zunehmend etablieren sich hybride Formen, welche die Vorzüge von Präsenz- und Fernunterricht vereinen.

Die digitale Transformation bietet Musikschulen im Flächenland Niedersachsen neue Chancen, ihr Angebotsspektrum zu verbreitern und in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft neue Zielgruppen zu erreichen. Um den digitalen Wandel zukunftsweisend gestalten zu können, müssen wichtige Rahmenbedingungen geschaffen werden:

In den Musikschulen müssen die nötigen Grundlagen für einen verlässlichen Digitalunterricht geschaffen werden. Unterrichtsstandorte benötigen leistungsstarke Breitbandanbindung und eine ausreichende technische Ausstattung. Für den Onlineunterricht und die Gestaltung von Medien sind zusätzliche Rechner, Kameras, Audioequipment und Software erforderlich. Hinzu kommt die notwendige technische Betreuung der digitalen Systeme.

Zur Erteilung von digitalem Unterricht müssen Musikschullehrkräfte über dienstliche Endgeräte verfügen. Der Einsatz privater Hard- und Software verbietet sich schon aus Gründen des Datenschutzes. Musikschulleitungen können Lehrkräfte auch nicht anweisen, Programme und Apps zum dienstlichen Gebrauch auf ihren privaten Endgeräten zu installieren.

Musikschullehrkräfte müssen für die besonderen Anforderungen des virtuellen Unterrichts sensibilisiert und qualifiziert werden. Fundierte pädagogische Grundlagen für digitalen Unterricht müssen entwickelt und in die musikpädagogische Aus-, Fort- und Weiterbildung integriert werden.

Öffentliche Musikschulen sind Teil des allgemeinen Bildungssystems!

Musikschulen sind kommunale Bildungseinrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche über viele Jahre hinweg parallel zu ihrer schulischen Laufbahn instrumentalen, vokalen und musiktheoretischen Unterricht erhalten, der eng mit den Lehrplänen der allgemein bildenden Schulen verzahnt ist. Die Angebote öffentlicher Musikschulen ergänzen den schulischen Musikunterricht – vom ersten Jahrgang bis zur Erlangung der Hochschulreife. Im niedersächsischen Musikalisierungsprogramm „Wir machen die Musik!“ führen Musikschulen jährlich 40.000 Kinder in Kitas und Grundschulen an die Musik heran und bereiten sie auf einen weiterführenden Musikunterricht vor.

Die öffentlichen Musikschulen in Niedersachsen stehen aktuell unter hohem Innovationsdruck und vor immensen fachlichen und organisatorischen Herausforderungen. Im digitalen Transformationsprozess benötigen sie dringend die Unterstützung der öffentlichen Hand. Investitionsförderprogramme zum Aufbau der digitalen kommunalen Bildungsinfrastruktur wie aktuell der DigitalPakt Schule dürfen nicht auf allgemeinbildende Schulen begrenzt sein, sondern müssen auch für deren Bildungspartner geöffnet werden. Bund, Land und Kommunen sind gleichermaßen aufgefordert, bei den kommunal verantworteten Einrichtungen der außerschulischen kulturellen Kinder- und Jugendbildung für vergleichbare strukturelle Entwicklungen zu sorgen.

Hannover, 05. Oktober 2020

Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände (akku)

Der Arbeitskreis niedersächsischer Kulturverbände (akku) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Landesverbänden und Dachorganisationen staatlicher, kommunaler und freier Kulturträger*innen in Niedersachsen. Die im akku zusammengeschlossenen Kulturverbände repräsentieren landesweit über 1.200 Kulturträger*innen. Von der ländlichen Kulturinitiative bis zur Kultureinrichtung im urbanen Ballungsraum ist die Freie Kultur flächendeckend in Niedersachsen erlebbar. Dazu zählen Musik- und Kunstschulen, soziokulturelle Zentren, Museen, freie Theater und Theaterpädagogische Zentren, Literaturhäuser und Bibliotheken, Heimat- und Bürgervereine, Spielmannszüge, Chöre, Musikinitiativen, Zirkusgruppen, Film- und Kinoinitiativen, freie Kulturschaffende u.v.m..

Im Zuge der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Anforderungen an die gesamte Kulturlandschaft verdichtete sich zum einen die Zusammenarbeit der Verbände untereinander. Zum anderen etablierte sich ein regelmäßiger Austausch mit Vertreter*innen der Landespolitik und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK). Frühzeitig machte der akku mit mehreren „Brandbriefen“ an die Politik und einer Mahnwache vor dem Niedersächsischen Landtag auf die Notlage der Kultureinrichtungen und der freiberuflichen „soloselbständigen“ Kulturschaffenden aufmerksam und forderte geeignete Hilfsmaßnahmen des Landes ein. In der Folge wurde die fachliche Expertise und Multiplikatorenfunktion des akku von Politik und Verwaltung immer mehr gesucht. Akku wurde u.a. in die Entwicklung von Hilfsprogrammen einbezogen und bei der Besetzung Vergabejurys einbezogen. Zudem fanden über das ganze Jahr regelmäßige Videokonferenzen mit der MWK-Hausspitze statt. Die wachsende Akzeptanz des akku ist Ausdruck eines neuen partnerschaftlichen Verständnisses von Kulturpolitik und kann als wichtiges Signal der Landesverwaltung in die Kulturszene hinein verstanden werden. Der Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft Niedersachsens wird als gemeinsames Ziel verstanden, welches jedoch nicht den kritischen Blick der Kulturträger auf die Aktivitäten der Landesregierung verstellen darf. So hat der akku in mehreren umfangreichen Stellungnahmen – zuletzt gegenüber dem Pandemie-Sonderausschuss des Landtags – seine Positionen zur Coronapolitik des Landes zum Ausdruck gebracht und entsprechende Schlussfolgerungen gezogen:

  • Verordnungen und Stufenpläne müssen Kultur als Bildungsträger und wirtschaftliche Betriebe politisch als eigenes gesellschaftlich relevantes Segment berücksichtigen.
  • Kultur ist in hohem Maße mit öffentlichen Mitteln gefördert – nimmt sie Schaden, werden auch das Land und die Kommunen geschädigt.
  • Eine bessere und frühzeitige Kommunikation staatlicher und kommunaler Stellen mit den übergreifenden Kulturorganisationen ist sicher zu stellen.
  • Kulturbetriebe und -initiativen als Wirtschaftsbetriebe, Auftrag- und Arbeitgeber und Orte des gesellschaftlichen Miteinanders sind vor wirtschaftlichen Schäden zu schützen.
  • Förderprogramme müssen sowohl Kulturinstitutionen als auch selbständige Künstler*innen einschließen, rechtzeitig bereitgestellt und vereinfacht werden.
  • Das Fachwissen der Kulturverbände und ihrer Beratungsstellen sollte zur Mitgestaltung von Verordnungen und Förderprogrammen frühzeitiger und stärker einbezogen werden.
  • Kulturelle Einrichtungen und Kulturschaffende bedürfen insgesamt einer Aufwertung ihrer Gesellschafts- und Lebensrelevanz und müssen stärker als wirtschaftlich relevante Größe wahrgenommen werden. Dies sollte sich in entsprechenden Förderprogrammen des Landes niederschlagen.

Klaus Bredl, Mitglied des Sprecherrats des
Arbeitskreises niedersächsischer Kulturverbände