Begabungsförderung

VIFF Regional

Die seit 2007 bestehende Zusammenarbeit zwischen dem Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) und dem Landesverband im Rahmen des Förderprogramms VIFF-Regional wurde auch in 2019 fortgesetzt. Ziel des Programms ist die wohnortnahe Förderung musikalisch besonders begabter Kinder im Flächenland Niedersachsen. Regionale Partner waren im Schuljahr 20018/19 die öffentlichen Musikschulen in Braunschweig, Osnabrück und Hildesheim. Das Förderkonzept orientiert sich an den langjährigen Erfahrungen des international renommierten Hochschulinstituts und wird als kontinuierliche Fördermaßnahme mit Landesmitteln über das Programm Hauptsache:Musik Niedersachsen gefördert. Angesprochen sind nicht nur Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Musikschulen, sondern auch Kinder, die von Privatmusiklehrkräften unterrichtet werden und selbstverständlich weiterhin dort ihren Unterricht erhalten können. Rund 27 Kinder im Alter zwischen 8 und 14 Jahren erhielten an den genannten Standorten ergänzende Angebote in den Bereichen Musiktheorie, Improvisation, Solmisation und Rhythmik.

Young professionals

Die Förderung musikalisch besonders interessierter und begabter Kinder wird auch künftig ein wichtiger Baustein im Konzeptentwurf einer Arbeitsgruppe des Landesverbandes für eine systematische musikalische Individual- und Begabungsförderung sein. Gegenstand der konzeptionellen Überlegungen war demnach auch die Entwicklung eines neuen Modells zur Förderung musikalisch besonders begabter Kinder, um noch besser und flexibler auf regionale Besonderheiten und Bedürfnisse eingehen zu können. Die Arbeitsgruppe hat hierzu ein Teilkonzept mit dem Titel Young professionals entwickelt, welches Dank einer Förderung durch das Niedersächsische Kultusministerium (Förderprogramm HAUPTSACHE:MUSIK Niedersachsen) ab dem kommenden Schuljahr 2020/21 umgesetzt werden kann und das bisherige Programm VIFF-Regional ablösen wird. Zielgruppe sind junge Musikschüler*innen, die ein besonderes musikalisches Potenzial erkennen lassen, die aber noch zu jung für die weiterführenden Angebote der studienvorbereitenden Abteilungen an den öffentlichen Musikschulen (SVA) sind. Sie sollen wohnortnah ergänzende Angebote zu ihrem bestehenden Instrumental- oder Vokalunterricht erhalten. Auch das Programm Young professionals sucht die enge Kooperation mit den niedersächsischen Musikhochschulen Hannover und Osnabrück. Anders als bei VIFF Regional, das lediglich an wenigen Standorten zur Umsetzung kam, sollen nun deutlich mehr Musikschüler*innen in der Fläche erreicht werden.

Diese sollen

  • nachhaltig für eine intensive Auseinandersetzung mit Musik motiviert werden,
  • wichtige Impulse für ihre weitere musikalische Entwicklung erhalten,
  • vielfältige, breite und umfassende musikalische Erfahrungen sammeln,
  • Austausch, Kontakt und Zusammenspiel mit Gleichgesinnten finden und pflegen,
  • gezielt auf kommende Herausforderungen vorbereitet werden (Konzerte, Wettbewerbe, Prüfungen).

Zu diesem Zweck sollen, verteilt über das ganze Jahr, ganztägige Förderkurse und Hochschulbesuchstage stattfinden, die von den vier Musikschulregionen eigenverantwortlich konzipiert und durchgeführt werden. In allen Veranstaltungen soll eine vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung insbesondere in den Bereichen Musiklehre, Musiktheorie, Musik und Bewegung, Rhythmik, Hörerziehung, Ensemblespiel, Improvisation, Komposition, Medientechnik sowie Solmisation stattfinden.

Weitere Informationen zum neuen Förderprogramm erteilen die Geschäftsstelle des Landesverbandes bzw. die regionalen Koordinator*innen.

Systematische musikalische Begabungsförderung – ein neues Modell für Niedersachsen

Vor dem Hintergrund des sich bereits heute abzeichnenden Mangels an qualifizierten und motivierten Musiklehrkräften hat der Vorstand des Landesverbandes eine Arbeitsgruppe mit der konzeptionellen Entwicklung eines neuen Modells für eine flächendeckende und systematisierte musikalische Individual- und Begabungsförderung (smibf) beauftragt. Im Zentrum steht die individuelle musikalische Förderung von musikalisch interessierten und begabten Kindern und Jugendlichen. Dabei sollen aufgestellte Fördermaßnahmen, Kriterien und formale Vorgaben großzügig im Sinne einer bestmöglichen musikalischen Individual- und Begabungsförderung eingesetzt bzw. umgesetzt werden. Es soll ein System entstehen, das Kindern ab 4 oder 5 Jahren bis zum Studien- und Berufsausbildungsalter überall in Niedersachsen eine leistungs- und altersgerechte Förderung ihrer musikalischen Begabung ermöglicht.

Eine erste Skizze des smibf-Konzepts wurde der Mitgliederversammlung des Landesverbandes im März 2019 vorgestellt und dort zustimmend aufgenommen. Das als Stufenmodell angelegte Konzept baut auf dem niedersächsischen Musikalisierungsprogramm „Wir machen die Musik!“ mit seiner flächendeckenden Struktur und gegenwärtig rund 1.300 Kooperationsprojekten von Musikschulen mit Kitas und Grundschulen auf. Das Programm gilt – neben dem regulären Musikschulunterricht – als ideale Plattform für ein systematisches Scouting – gemeint ist eine frühzeitig erfolgende Sichtung und Förderung musikalisch interessierter Kinder.

In einer ersten Stufe erhalten diese Kinder an der Musikschule zusätzliche, nach Möglichkeit auch kostenfreie Förderangebote in den Bereichen Singen – Rhythmus – Improvisation (SIRI). Es folgen unter der Überschrift Musiktalente weitere, mittels unterschiedlicher Leistungsstufen aufeinander aufbauende und nach Alter und Leistungsvermögen differenzierte Angebote zu Themen wie Musiklehre, Musik und Bewegung, Rhythmik, Hörerziehung, Ensemblespiel, Improvisation, Komposition und Solmisation.

Für die Bedürfnisse von musikalisch besonders begabten Kindern zwischen 8 und 14 Jahren sollen in Zusammenarbeit mit den niedersächsischen Musikhochschulen in Hannover und Osnabrück als Ergänzung zu ihrem wöchentlichen Instrumental- oder Vokalunterricht spezifische Wochenendkurse konzipiert werden (siehe Young professionals). Jugendliche mit einem deutlichen Interesse an einem späteren Musikstudium oder an einem Musikberuf können ab 14 Jahren bis zum Beginn ihrer musikbezogenen Ausbildung in der Studienvorbereitenden Ausbildung (SVA) betreut werden.

Ein solch integriertes und flächendeckendes Begabungsförderangebot soll in den kommenden Jahren an möglichst allen niedersächsischen Musikschulen schrittweise aufgebaut und mit bereits existierenden Maßnahmen und Projekten innerhalb des landesweiten Gesamtsystems „Musikalische Bildung und Begabtenförderung“ verknüpft werden. Exemplarisch seien hier die Landesauswahlensembles, Jugend musiziert und die Ausbildung von Musikmentoren genannt.

Hinter dem Konzept steht die Erwartung, durch ein systematisches Vorgehen insgesamt deutlich mehr Kinder und Jugendliche als bisher für eine vertiefte Beschäftigung mit Musik zu gewinnen. Begleitende Maßnahmen zur Aufwertung des Berufsbildes Musiklehrer*in werden dringend empfohlen. Die Brücke zwischen den an Kitas und Schulen stattfindenden Musikalisierungsangeboten und weiterführenden oder auch parallelen Angeboten der Musikschulen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Modell. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) verfolgt die Konzeptentwicklung nach eigenem Bekunden mit Interesse und hat bereits Bereitschaft für eine Verknüpfung des Musikalisierungsprogramms mit einer Begabungsförderung signalisiert. Die Ausarbeitung eines Kosten- und Finanzierungsplans ist in Arbeit.

An der Arbeitsgruppe wirkten mit: Daniel Keding (Städtische Musikschule Braunschweig), Verena Tschira (Musikschule der Landeshauptstadt Hannover), Martina Zimmermann (Musikschule Hemmingen), Heinz Gassenmeier (Kreismusikschule Leer), Martin Nieswandt (Musikschule des Emslandes), Michael Ränger (Musikschule Seevetal), Prof. Dr. Andrea Welte und Prof. Christoph Hempel (Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover).