Wir machen die Musik!

Vor zehn Jahren gab die niedersächsische Landesregierung den Startschuss für ein bundesweit einzigartiges musikalisches Bildungsprogramm. Seit dem Start von „Wir machen die Musik!“ im Schuljahr 2009/10 wurden bis heute über 310.000 Kinder in ganz Niedersachsen durch musikalische Angebote erreicht. Dank der Finanzierungspartnerschaft von Land, Kommunen und Landkreisen sowie durch Beiträge örtlicher Träger, Eltern und Sponsoren ist es gelungen, dauerhafte Bildungsangebote von Musikschulen in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen zu etablieren. Das Ziel von „Wir machen die Musik!“, möglichst vielen Kindern frühzeitig und unabhängig von ihrer sozialen, wirtschaftlichen und ethnischen Herkunft kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, wurde eindrucksvoll erreicht. Vor allem die öffentlichen Musikschulen haben den Auftrag einer breit angelegten Musikalisierung angenommen und sorgen für eine optimale Umsetzung der Programmziele.

Kompetente Partnerschaften

Verlässliche und kompetente Partnerschaften sind die Grundlage für eine solide und nachhaltige kulturelle Bildung und bei „Wir machen die Musik!“ ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Programms. Dabei sind alle Kooperationsprojekte individuell gestaltet und orientieren sich an den Voraussetzungen und Bedürfnissen der beteiligten Einrichtungen. Inhaltliche und organisatorische Fördervoraussetzungen garantieren die Qualität der musikalischen Angebote. Der Programmerfolg basiert vor allem auf der flächendeckenden Infrastruktur der öffentlichen Musikschulen und der Fachkompetenz seiner Lehrkräfte. Diese arbeiten in den Kooperationen in Kita und Grundschule Hand in Hand mit den pädagogischen Fachkräften zusammen. „Wir machen die Musik!“ bereichert und ergänzt das Bildungskonzept in Kitas und Grundschulen und stärkt gleichzeitig die musikpädagogischen Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte.

Fördermittelvergabe

Die Fördermittelvergabe erfolgt mittels eines einfachen und einmaligen Antrags- und Zuwendungsverfahrens: Alle Musikschulen in Niedersachsen, die am Programm teilnehmen, erhalten auf Basis der zur Verfügung stehenden Landesmittel ein individuelles finanzielles Angebot, das auf der zahlenmäßigen Grundlage der in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet lebenden Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter berechnet wird. Das über eine Internetplattform organisierte Verfahren gewährleistet hohe Verteilungsgerechtigkeit bei gleichzeitiger maximaler Flexibilität und größtmöglicher Planungssicherheit.

Landesverband als Ansprechpartner

Der Landesverband niedersächsischer Musikschulen ist für die Abwicklung des Programms umfassend verantwortlich. Er steht allen am Programm teilnehmenden Musikschulen als Ansprechpartner für inhaltliche und organisatorische Fragen zur Verfügung. Zu den Aufgaben des Landesverbandes gehören die Überprüfung der Fördervoraussetzungen, die Weiterleitung der Fördermittel, die Kontrolle der Mittelverwendung und die Qualitätsentwicklung des Programms. Darüber hinaus die Konzeption und Durchführung von Weiterbildungsangeboten, Presse und Öffentlichkeitsarbeit sowie das Programmmarketing.

Wir machen die Musik! ist das wichtigste Angebot für frühkindliche musikalische Bildung in Niedersachsen

Björ Thümler

Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur

Im Schuljahr 2018/19 beteiligen sich 76 Musikschulen an dem Programm und erreichen in mehr als 1.100 Kooperationsprojekten rund 37.400 Kinder im Alter zwischen null und zehn Jahren. 714 Kindertageseinrichtungen und 464 Grundschulen stehen den Musikschulen als Kooperationspartner zur Seite. Die positive Wirkung von Musik und Tanz auf die Persönlichkeitsentwicklung, die Förderung sozialer Kompetenzen, ein wertschätzendes Miteinander und die frühe Heranführung an Kultur machen „Wir machen die Musik!“ zu einem wichtigen Baustein der frühkindlichen musikalischen Bildung in Niedersachsen. Das Land Niedersachsen unterstützt das Programm bereits seit zehn Jahren und finanziert bis zu 50% der an den Musikschulen anfallenden pädagogischen Personalkosten. Im Schuljahr 2018/19 stellt das Land insgesamt rund 2,3 Millionen Euro bereit. Um einen schrittweisen Programmausbau zu ermöglichen, erhöht die Landesregierung den Landesanteil an der Finanzierung um 200.000 Euro. Vordringliches Ziel des Landesverbands ist es, einen dynamisierten Aufwuchs der Landesförderung in der mittelfristigen Finanzplanung des Landes zu verankern.

Daten & Fakten “Wir machen die Musik!”

Grunddaten
Schuljahr2018/192017/182016/172015/16
Teilnehmende Musikschulen76767878
Teilnehmende Kitas714711693680
Teilnehmende Schulen464465455472
Anzahl der Jahreswochenstunden2.4882.4702.4352.460
davon in Kitas1.2561.2641.2441.216
davon in Schulen1.2321.2061.2111.244
Anzahl der erreichten Kinder37.40038.60836.52437.735
davon in Kitas23.66024.70522.63722.713
davon in Schulen13.73913.90313.88715.066
Finanzierung der Kooperationsprojekte
Schuljahr2018/192017/182016/172015/162014/15
Gesamtkosten der Kooperationsprojekte5.804.033€5.691.846€5.444.667€5.360.289€5.182.889€
Landesmittel2.120.812€ (37%)2.118.874€ (37,2%)1.874.800€ (34%)1.889.496€ (35%)1.872.531€ (36%)
Eigenmittel der Musikschulen1.621.896€ (28%)1.545.271€ (27,1%)1.588.597€ (29%)1.543.942€ (29%)1.391.062€ (27%)
Eigenmittel der Kooperationspartner627.579€ (11%)757.988€ (13,3%)535.472€ (10%)675.745€ (13%)518.955€ (10%)
Elternbeiträge1.016.076€ (18%)862.257€ (15,1%)1.058.582€ (20%)860.393€ (16%)1.027.536€ (20%)
Drittmittel417.970€ (7%)407.456€ (7,2%)387.216€ (7%)390.713€ (7%)372.805€ (8%)
Entwicklung der Projektfinanzierung

Finanzierung der Kooperationsprojekte

    Aktivitäten 2018

    Entwicklungskonzept

    Kitas und Grundschulen signalisieren eine ungebrochen hohe Nachfrage nach musikpraktischen Angeboten der örtlichen Musikschulen. Gemäß Koalitionsvertrag der CDU/SPD-Landesregierung soll das Musikalisierungsprogramm entwickelt und verstetigt werden. Der von der Landesregierung bewilligte Mittelaufwuchs für das Schuljahr 2019/20 unterstreicht den politischen Auftrag an die Musikschulen, möglichst viele Kinder frühzeitig mit einem musikalischen Angebot zu erreichen. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Programmevaluation sowie in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Mitgliederversammlung des Landesverbandes wurden darüber hinaus Vorschläge zur künf-tigen inhaltlichen Schwerpunktsetzung diskutiert und ausgearbeitet.

    Diversitätsorientierung

    Allen Kindern ungeachtet ihrer sozialen und wirtschaftlichen Herkunft die Teilhabe an kulturellen Bildungsangeboten zu ermöglichen, ist eine zentrale kultur- und sozialpolitische Zielsetzung. Bereits heute sind die teilnehmenden Gruppen in „Wir machen die Musik!“ ein Abbild gesellschaftlicher Diversität. Um noch mehr bildungsbenachteiligte Kinder anzusprechen, stand eine gezielte sozialräumliche Orientierung des Programms zur Diskussion. Verbunden mit einem entsprechenden Mittelaufwuchs sollen Musik-schulen verstärkt Kooperationen mit Kitas und Schulen im Sozialraum eingehen. Angesichts der besonderen Herausforderungen der pädagogischen Arbeit im Sozialraum schlägt der Landesverband vor, zunächst ein entsprechendes musikpädagogisches Konzept auszuarbeiten.

    Individual- und Begabungsförderung

    Über „Wir machen die Musik!“ erreichen die Musikschulen viele Kinder mit einem niederschwelligen musikalischen Einstiegsangebot in Kitas und Grundschulen. Ungenügend beantwortet ist jedoch die Frage, wie Kinder im Anschluss an ein solches musikalisches Basisangebot mit weiterführenden Angeboten in ihrer Entwicklung gefördert werden können. Da für Anschlussfördermaßnahmen keine Landesmittel vorgesehen sind, scheitert diese häufig aufgrund zu hoher Teilnehmerbeiträge. Wie können Musikschulen ihrer besonderen pädagogischen Verantwortung vor allem für musikalische, leistungsmotivierte und begabte Kinder gerecht werden? Wie kann es – auch hier unter der Zielsetzung von Chancengleichheit und Teilhabegerechtigkeit – gelingen, diese Kinder optimal auf ihrem weiteren musikalischen Weg zu fördern und unter Umständen bis hin zum Ergreifen eines Musikberufs bzw. der Aufnahme eines Musikstudiums zu begleiten? Vor allem der allseits bekannte Mangel an Fachlehrkräften an Schulen und auch an Musikschulen verlangt dringend schlüssige Antworten auf diese Fragen.

    Der Landesverband niedersächsischer Musikschulen sieht hier die Chance für eine wichtige strategische Weichenstellung. Er schlägt vor, parallel zum Ausbau der Bildungskooperationen zwischen Musikschulen, Kitas und allgemein bildenden Schulen eine zweite Säule des Musikalisierungsprogramms aufzubauen, die eine frühzeitige Erkennung und Förderung musikalisch interessierter Kinder in kleineren Gruppen ermöglicht. Ziel dieses integrierten Förderansatzes ist eine flächendeckende Sichtungs-, Organisations- und Angebotsstruktur. Kinder, die ein auffallendes Interesse oder musikalisches Talent zeigen, sollen so möglichst frühzeitig mit altersgemäßen und leistungsangepassten Angeboten durchgängig bis zum Ende ihrer Schulzeit mit qualifizierten Angeboten gefördert werden. Erforderlich sind hierzu neben einer dynamisierten Erhöhung der Landesförderung ein landesweites Modell zur systematischen Identifikation und Förderung von Kindern mit besonderem musikalischem Potenzial, welches an allen Musikschulen etabliert werden kann. Der Landesverband plant hierzu die Entwicklung entsprechender Förderkonzepte und Maßnahmen in enger Zusammenarbeit mit Fachverbänden, Ministerien und Hochschulen.

    Qualifizierungsangebote

    Zwölf Qualifizierungsangebote wurden 2018 im Kontext von „Wir machen die Musik!“ angeboten. Diese richteten sich primär an Kooperationslehrkräfte und griffen zentrale wimadimu-Themen auf. Darunter die musikalische Arbeit mit Migranten, das Gestalten musikalischer Angebote für Kinder im Kita und Grundschulalter oder das methodisch abwechslungsreiche Musizieren in der Kleingruppe. Weitergehende Informationen dazu finden Sie in der Rubrik „Qualifizierung“.

    Vorschau auf das wimadimu Jubiläumsjahr 2019

    Der große Erfolg des Musikalisierungsprogramms wird im März 2019 mit einem großen Festakt in Osnabrück mit vielen Gästen aus Politik, Kultur und Bildung gefeiert. Neben Kulturminister Björn Thümler hat auch Kultusminister Grant Hendrik Tonne seine Teilnahme zugesagt und wird an einer Expertenrunde teilnehmen. Als weitere prominente Gäste werden der Präsident des Niedersächsischen Städtetages, Ulrich Mädge, die Bundestagsabgeordnete und Ehrenpräsidentin des Landesverbandes, Gitta Connemann MdB sowie Johannes Münter, Präsident des Landesmusikrats Niedersachsen, erwartet. Im Juni 2019 wird der Landesverband auf Einladung der Landtagspräsidentin Frau Dr. Gabriele Andretta mit Lehrkräften und Schüler*innen der Musikschule der Landeshauptstadt Hannover für eine musikalische Aktion im Niedersächsischen Landtag zu Gast sein, um gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten das Jubiläum zu feiern.

    Öffentlichkeitsarbeit

    Das in 2016 verabschiedete wimadimu-Marketingkonzept wurde weiter ausgearbeitet. Videos aus Osnabrück, Vechta, Alfeld und Bad Münder bilden eindrucksvoll die Arbeit der Musikschulen in ihren wimadimu-Projekten ab. Die Veröffentlichung der Videos auf der Programmwebsite sowie auf der facebook-Seite tragen zu einer Steigerung des Bekanntheitsgrades des Musikalisierungs-programms bei. Studierende des Studienganges Fotojour-nalismus an der Hochschule Hannover haben in Burgdorf, Wunstorf sowie Goslar mit der Kamera Impressionen aus den wimadimu-Projekten der örtlichen Musikschulen eingefangen. Einige der Fotos wurden für die Entwicklung neuer Plakate und Postkarten genutzt. Darüber hinaus haben die Musikschulen die Möglichkeit, die Fotos für ihre eigene Öffentlichkeitsarbeit zu verwenden. Auch ein wimadimu-T-Shirt kann in verschiedenen Farben bestellt werden. Anfang 2019 wurde ein neuer Programmflyer entwickelt, der in einfacher Sprache Eltern und potenzielle Programmpartner über die Hintergründe und Zielsetzungen des Programms informiert.

     

    Videoportraits

    In kurzen Videoportraits der an „Wir machen die Musik!“ teilnehmenden Musikschulen und ihrer Kooperationspartner wird die Arbeit der Musikschulen einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt und für das Musikalisierungsprogramm geworben.