Wir machen die Musik!

“Wir machen die Musik! ist das wichtigste Angebot für frühkindliche musikalische Bildung in Niedersachsen.”

Björn Thümler

Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur

2009 gab die niedersächsische Landesregierung den Startschuss für ein bundesweit einzigartiges musikalisches Bildungsprogramm. Dank der Finanzierungspartnerschaft von Land, Kommunen und Landkreisen sowie durch Beiträge örtlicher Träger, Eltern und Sponsoren ist es gelungen, dauerhafte Bildungsangebote von Musikschulen in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen zu etablieren. Über 390.000 Kinder haben seitdem an „Wir machen die Musik!“ teilgenommen.

Im Schuljahr 2020/21 beteiligen sich 73 Musikschulen an „Wir machen die Musik!“. 656 Kindertageseinrichtungen sowie 402 Grundschulen stehen den Musikschulen als Kooperationspartner zur Seite. Ziel ist es, möglichst vielen Kindern frühzeitig und unabhängig von ihrer sozialen, wirtschaftlichen und ethnischen Herkunft Zugang zu musikalischen Angeboten zu ermöglichen. Geplant waren mehr als 1.000 Kooperationsprojekte mit über 34.000 Kindern im Alter zwischen null und zehn Jahren. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen konnten viele der Angebote nur bedingt umgesetzt werden.

Nichtsdestotrotz, die positive Wirkung von Musik und Tanz auf die Persönlichkeitsentwicklung, die Förderung sozialer Kompetenzen, ein wertschätzendes Miteinander und die frühe Heranführung an Kultur, machen „Wir machen die Musik!“ zu einem unersetzlichen Baustein der frühkindlichen musikalischen Bildung in Niedersachsen. Daher unterstützt die Landesregierung das Programm seit fast zwölf Jahren und finanziert bis zu 50% der an den Musikschulen anfallenden pädagogischen Personalkosten. In den Schuljahren 2019/20 und 2020/21 förderte das Land das Programm mit jeweils rund 2,45 Millionen Euro. Die Fortschreibung der Förderung wurde im Haushaltsplan verankert. Der vom Landesverband niedersächsischer Musikschulen gewünschte Mittelaufwuchs und auch die Dynamisierung der Landesförderung konnten jedoch nicht erreicht werden.

„Wir machen die Musik!“ in Zeiten von Corona

Die Corona-Pandemie stellt die niedersächsischen Musikschulen vor große Herausforderungen. Die Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen, die für die Musikschulen in den letzten Jahren einen immer größeren Stellenwert eingenommen hat, ist nur noch unter großen Einschränkungen möglich. Dank der Kreativität und des großen Engagements der teilnehmenden Musikschulen und ihrer Lehrkräfte, konnte die Arbeit in vielen Fällen über digitale Vermittlungswege fortgeführt werden. Die Lehrkräfte sind auf unterschiedlichen digitalen Kanälen mit den Einrichtungen bzw. direkt mit den Kindern und ihren Eltern in Kontakt geblieben. Es wurden Videos produziert, Materialien zur Verfügung gestellt und in einigen Kooperationen via Livestream mit den Kindern gearbeitet. Zudem konnten während der Sommermonate einige Kooperationen unter freiem Himmel stattfinden.

Dennoch konnten viele Musikschulen im Schuljahr 2019/20 die für die volle Landesförderung erforderliche Mindeststundenanzahl nicht erreichen und deshalb auch nicht die volle Landesförderung erhalten. Kulturminister Björn Thümler hat verfügt, dass diese nicht abgerufenen Mittel auf andere Weise für das Programm eingesetzt werden sollen. In Abstimmung zwischen Landesverband und Niedersächsischem Ministerium für Wissenschaft und Kultur werden die Restmittel den Musikschulen vorrangig für Investitionen in digitale Ausstattung zur Verfügung gestellt, um so die virtuelle Zusammenarbeit der Musikschule mit Kindertageseinrichtungen und Grundschulen zu stärken und zu verbessern.

Marketing/Öffentlichkeitsarbeit

Von der Covid-19 Pandemie waren auch die geplanten Aktivitäten für das Programmmarketing betroffen. Bereits geplante Foto- und Videoproduktionstermine in ausgewählten Einrichtungen mussten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Auch die Videoreihe „Wir machen die Musik! in…“, musste pausieren. Im Rahmen dieser Reihe berichtet der Landesverband in kurzen Videos über die erstaunliche Bandbreite der musikalischen Arbeit in Kitas und Grundschulen. Auf der Internetseite www.wimadimu.de können die in den vergangenen Jahren produzierten Videos angesehen werden. Wann diese Reihe fortgesetzt werden kann, hängt nicht zuletzt vom weiteren Infektionsgeschehen ab.

Daten & Fakten “Wir machen die Musik!”

Grunddaten
Schuljahr2020/212019/202018/192017/18
Teilnehmende Musikschulen73757676
Teilnehmende Kitas656735714711
Teilnehmende Schulen402493464465
Anzahl der Jahreswochenstunden2.4492.7182.4882.470
davon in Kitas1.2451.3571.2561.264
davon in Schulen1.2041.3611.2321.206
Anzahl der erreichten Kinder34.16238.43937.40038.608
davon in Kitas21.45724.13923.66024.705
davon in Schulen12.70514.30013.73913.903
Finanzierung der Kooperationsprojekte
Schuljahr2020/212019/202018/192017/182016/172015/16
Gesamtkosten der Kooperationsprojekte5.891.741€6.406.660€5.804.033€5.691.846€5.444.667€5.360.289€
Landesmittel2.162.279€ (36,7%)2.338.462€ (37%)2.120.812€ (37%)2.118.874€ (37,2%)1.874.800€ (34%)1.889.496€ (35%)
Eigenmittel der Musikschulen1.744.253€ (29,6%)1.813.971€ (28%)1.621.896€ (28%)1.545.271€ (27,1%)1.588.597€ (29%)1.543.942€ (29%)
Eigenmittel der Kooperationspartner632.634€ (10,7%)743.372€ (12%)627.579€ (11%)757.988€ (13,3%)535.472€ (10%)675.745€ (13%)
Elternbeiträge988.824€ (16,8%)1.122.621€ (18%)1.016.076€ (18%)862.257€ (15,1%)1.058.582€ (20%)860.393€ (16%)
Drittmittel363.751€ (6,2%)389.134€ (6%)417.970€ (7%)407.456€ (7,2%)387.216€ (7%)390.713€ (7%)
Finanzierung der Kooperationsprojekte

    Qualifizierungsangebote

    Im Kontext von „Wir machen die Musik!“ wurden 2020 fünf Qualifizierungsmaßnahmenn durchgeführt. Zudem wurde in Kooperation mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover am 25. Februar der Fachtag „Wir machen die Musik! – in der Grundschule“ veranstaltet. Rund neunzig teilnehmende Lehrkräfte erhielten in verschiedenen Workshops Anregungen etwa für die Arbeit im Tandem, für Tanzangebote in Grundschulen, Instrumentenbau oder Elementares Komponieren.

    Am 12. September stand das Singen und Trommeln in der Gruppe mit dem Dozenten Ulrich Moritz an der Musikschule des Landkreises Oldenburg im Mittelpunkt. Linda Effertz stellte am 19. September im Workshop „Methodenkoffer EMP“ den Teilnehmenden in der Musikschule des Landkreises Cloppenburg vielfältige musikalische Angebote für Kinder im Kita- und Grundschulalter vor. Die Themen „Singen mit Kindern“, „Transkulturelle Musikpädagogik im Musikschulalltag“ sowie „Schwierige Kinder sind Kinder in Schwierigkeiten“ konnten aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchgeführt bzw. mussten ins Folgejahr verschoben werden.

    Fachtag „Wir machen die Musik! in der Grundschule“

    Der Fachtag „Wir machen die Musik! in der Grundschule“, der am 25. Februar 2020 in der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) stattfand, richtete sich an Musikschul- und Grundschullehrkräfte, sowie Studierende und weitere musikpädagogische Fachkräfte.

    Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßte die erste Vorsitzende des Landesverbandes, Sigrid Neugebauer Schettler, und Vizepräsident Prof. Eckart Altenmüller vonseiten der HMTMH rund 90 Teilnehmer*innen. Daraufhin folgte ein von Martin Nieswandt (Direktor der Musikschule des Emslandes) moderiertes Interview mit Sigrid Neugebauer Schettler und Martin Igelmann (Schulleiter Stüveschule Osnabrück), in dem vor allem die erfolgreichen Aspekte des Projektes „Wir machen die Musik!“ diskutiert wurden.

    Im Anschluss konnten die Teilnehmenden zwischen diversen Workshops wählen: Im Workshop „Methodenkoffer EMP – Gestalten musikalischer Angebote für Kinder im Grundschulalter“ zeigte Linda Effertz vielfältige Möglichkeiten für musikalische Angebote in der Grundschule u.a. mit elementarem Instrumentarium, aber auch mit Tanz und Bodypercussion. Bei Prof. Corinna Vogel stand das Thema „Einfach umzusetzende Unterrichtskonzepte für Tanz in der Grundschule – Vogeltanz, Bändertanz, Computertanz und vieles mehr“ im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden probierten hier unterschiedliche Tänze und Tanzgestaltungen für die verschiedenen Klassenstufen der Grundschule aus und konnten diese als Ritual für Anfang oder Beginn des Unterrichts, Aufführungen oder Unterrichtsreihen, gleich umsetzen. Stefan Roszak baute mit den Teilnehmenden in seinem Workshop „Instrumentenbau in der Grundschule“ mithilfe einfacher Materialien ein Monochord und demonstrierte so mit welchen „Zutaten“ eigenständig hochwertige Instrumente mit Grundschüler*innen hergestellt werden können.

    Nach der Mittagspause im Foyer der Hochschule begann die zweite Workshopphase, in der „Best Practice“-Beispiele aus zwei an wimadimu teilnehmenden Musikschulen vorgestellt wurden. Peter Hellwig sprach über das erfolgreiche Musikalisierungsprojekt der Kreismusikschule Osnabrück „MOOS“, das in Kooperation mit Grundschulen im Landkreis Osnabrück stattfindet. Außerdem erläuterten Malena Böse und Annette Hartung die Kooperation und Tandemarbeit im Inklusiven Orchester zwischen der Grundschule Am Lindener Markt und der Musikschule der Landeshauptstadt Hannover. Im Workshop „Unterrichtskonzepte für das erfolgreiche Arbeiten im Tandem“ gab Angela Bausch einen Einblick in Möglichkeiten des gemeinsamen Unterrichts unterschiedlicher Lehrkräfte der Musik- und Grundschulen am Beispiel des Musikalisierungsprogramms JeKits (Jedem Kind ein Instrument-Tanzen-Singen) aus Nordrhein-Westfalen. Stephan Roszak stellte in seinem zweiten Workshop „Elementares Komponieren mit experimentellen Instrumenten“ vor, wie mit einfachen Spielregeln elementares Komponieren mit Grundschüler*innen auf den zuvor gebauten Instrumenten möglich ist.

    Zur Abschlussrunde moderierte Prof. Dr. Andrea Welte ein Interview mit Angela Bausch, Annette Hartung, Prof. Elisa Läubin (HMTMH) und Martin Nieswandt, in dem Möglichkeiten der musikalischen Förderung während Übergangszeiten von der Grundschule zur weiterführenden Schule diskutiert wurden.

    Miriam Schleinschock